Neu im Musiktheater

30. November 2009, 16:09
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Somewhere, jenseits der Bühnentreppe

Wahrheit 1: Natürlich sind Mozart-Opern wie Così fan tutte oft nur mit großer Mühe auszuhalten. Die endlosen jugendfreien Tändeleien zwischen Schelm und Gschpusi, zwischen Tonika und Dominante, und immer alles in Dur ... Würde sich Mozart heute Mozart-Opern anhören? Anderes würde ihn mehr interessieren.

Wahrheit 2: Das L.E.O. ist großartig. Das Letzte Erfreuliche Operntheater (Mastermind Stefan Fleischhacker, Musikleiter, -kürzer, -erzähler und -begleiter Stephen Delaney) macht Mozart-Opern erträglich, ach was: angenehm, ach was: wundervoll. Hätte einen ein unerfreuliches Kritikerschicksal etwa zu den Salzburger Festspielen verschlagen, dann hätte die Così dort Claus Guth inszeniert, es gäbe eine riesige Treppe als Bühnenbild, und man würde nach dreieinhalb Sekunden ins Wachkoma fallen.

Nicht so beim L.E.O.: Da fühlt sich der Zuhörer auf schönen schmalen Holzgartenstühlen plus Bistrotischchen mit Kerzen drauf wie auf einer italienischen Piazzetta, die Stimmung des sympathischen Publikums ist aufgeweckt, es wird mitgesungen, kommentiert und gelacht, und auf der nur eine Handgreiflichkeit entfernten Bühne ereignen sich Komödie und Musik und Scherz und Gefühl (dank Elena Schreiber, Teresa Gardner, Claudia Haber, Dominik Rieger und Apostol Milenkov) in einer rührenden Stimmigkeit bar aller Hochglanz-Asepsis und voll liebenswerten menschlichen Makels, dass es wahrscheinlich sogar Herrn Mozart bei einem Besuch sehr gefreut hätte. (end, DER STANDARD/Printausgabe, 01.12.2009)

1., 3., 5. 12., Karten: 01/712 14 27. 19.00

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