Frühes Brecht-Stück in Linz

30. November 2009, 13:33
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"Im Dickicht der Städte" hat am Samstag Premiere - Inszenierung von Matthias Langhoff, Musik von Fuckhead

Linz - Neben "Der gute Mensch von Sezuan" widmet sich das Landestheater Linz mit "Im Dickicht der Städte" heuer auch einem Frühwerk Bertolt Brechts. Die Live-Musik zu dem Stück, bei dem sich der Autor vom Boxsport inspirieren ließ, steuern die Extremperformer Fuckhead bei. Die Koproduktion mit Linz09 in der Inszenierung von Matthias Langhoff feiert kommenden Samstag (5.12.) Premiere.

Setting

Chicago Anfang des 20. Jahrhunderts: Der reiche asiatische Holzhändler Shlink will dem Leihbibliotheksangestellten Garga seine Meinung über ein bestimmtes Buch abkaufen. Dessen Weigerung provoziert den Unternehmer zu einem Kampf, in dem die beiden Männer sich gegenseitig die Grundlagen ihrer Existenz entziehen. Shlink sorgt für Gargas Entlassung und macht ihm Geliebte und Schwester zu Prostituierten. Um einen ebenbürtigen Gegner zu haben, überlässt er ihm dann aber seinen Holzhandel, den dieser mit voller Absicht durch Betrug ruiniert. Während Garga dafür ins Gefängnis wandert, wird Shlink zum Ernährer seiner Familie. Kaum entlassen, denunziert er den Malaien fälschlich als Vergewaltiger, der daraufhin von einem rassistischen Mob gehetzt wird. Die beiden fliehen gemeinsam an den Michigansee, wo Shlink Garga seine Liebe gesteht.

Inszenierung

Das Drama ist geschrieben wie ein Boxkampf, jedes Bild leitet eine neue Runde ein. Nie war Brecht so nah am Expressionismus wie mit diesem frühen Stück. Die Uraufführung in München 1923 provozierte Nazi-Tumulte im Zuschauerraum und rassistische Kritiken. Mit der Inszenierung von "Dickicht" in Linz erfüllt sich Langhoff einen langgehegten Wunsch: Nach vielen Jahren, in denen er nur im französischsprachigen Raum tätig war, wird er dafür erstmals wieder auf Deutsch inszenieren. Als musikalischen Partner konnte er die Linzer Gruppe Fuckhead gewinnen. Die Bandmitglieder Didi Bruckmayr und Siegmar Aigner werden nicht nur live auf der Bühne singen, sondern sich in vielfältiger Weise an der Aufführung beteiligen und auch diverse Rollen übernehmen. (APA)

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