500 Quelle-Mitarbeiter müssen demnächst gehen

30. November 2009, 12:20
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Aufgrund des Abverkaufs, der laut Quelle der "größte Österreichs" ist, bricht der Server zeitweise zusammen, die Zukunft der Shops ist weiter unklar

Wien - Beim insolventen österreichischen Versandhändler Quelle müssen bis Weihnachten 500 der rund 1.100 Mitarbeiter gehen. Dem Vernehmen nach wird am 11. Dezember die erste Tranche von 300 Personen mit Austrittsdatum 16. Dezember gekündigt, am 18. Dezember weitere 200 Mitarbeiter mit Stichtag 23. Dezember, berichtete das "WirtschaftsBlatt" am Montag.

Mit den Kündigungen gehen auch Teilbetriebsschließungen einher. Geschlossen werden jene Bereiche die für den Abverkauf, der heute gestartet ist, nicht benötigt werden. Bis Ende Dezember haben Schnäppchenjäger die Möglichkeit, 600.000 Artikel bis zu minus 50 Prozent zu erstehen. Verkauft wird über das Internet, Prospekte und die Quelle-Shops.

Aufgrund des Abverkaufs, der laut Quelle der "größte Österreichs" ist, war der Server am Vormittag zeitweise überlastet. Bei den Quelle-Shops gab es am frühen Vormittag hingegen keinen Ansturm. "Die Leute werden aber noch kommen", sagte Rudolf Grasinger, Betreiber eines Shops im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Auch im Shop von Hans Peter Harder im oberösterreichischen Mattighofen ist am Vormittag das Geschäft "normal" verlaufen. Der Sprecher der Quelle-Shop-Betreiber glaubt, dass der Abverkauf in den den Geschäften "erst anläuft".

Ende der Frist

Während der Abverkauf beginnt, endet die First für Interessenten Martin Lenz ein Angebot abzugeben. Ob es zur Stunde schon vorliegt, sagte Masseverwalter Erhard Hackl nicht. Lenz sei aber im Unternehmen, so Hackl. Um das Linzer Versandhaus kaufen zu können, muss Lenz eine Stange Geld in die Hand nehmen. "Er muss mir die Außenstände abkaufen", sagte Hackl dem "WirtschaftsBlatt".

Der Kaufpreis errechne sich aus den 90 Mio. Euro Außenständen, von denen die Liquidität und die dubiosen Forderungen abgezogen werden. Dazu komme der Preis für das restliche Warenlager plus zehn Mio. Euro für den Kundenstock, hieß es im Bericht. "Das wird sich mit 50 Mio. Euro nicht ausgehen", wurde Otto Zotter vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) zitiert.

Wie es mit den rund 175 Quelle-Shops weitergeht und wie viele Betreiber weitermachen, ist nach wie vor unklar. Am Sonntag gab es ein Treffen, was dabei herausgekommen ist, wollte Harder nicht sagen. Er wolle die Verhandlungen mit möglichen Partnern nicht gefährden. Im Moment schaue es aber "sehr gut aus".

Job-Börse mit "weit über" 200 Angeboten

Das Land Oberösterreich stellt für die Insolvenzstiftung, an der von der Quelle-Österreich-Pleite betroffene Mitarbeiter teilnehmen, mehr als 1,5 Mio. Euro zur Verfügung. Mitte Dezember werde der erste erhebliche Teil der Beschäftigten austreten, bis dahin müsse das Maßnahmenpaket greifen. Das erklärte Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (VP)  im Anschluss an den zweiten Quelle-Gipfel, an dem das Arbeitsmarktservice (AMS), Sozialpartner, Betriebsrat und das Land teilgenommen haben. Das Interesse an der Stiftung sei sehr groß.

Das Stiftungskapital soll vorerst insgesamt drei Mio. Euro betragen, 40 Prozent kommen vom Land und 60 Prozent vom AMS.

Die Beratungsmaßnahmen für die Mitarbeiter würden bereits seit Wochen auf Hochtouren laufen, berichtete Sigl. Die vor Ort eingerichtete Job-Börse sei immens wichtig, "weit über" 200 Angebote seien dort angeführt. Wie weit Fortführungsszenarien - zumindest für Teile des Unternehmens - tatsächlich realisiert werden können, sei nach wie vor offen, so der Landesrat. Die Gespräche würden dahingehend laufen, man sei mit dem Masseverwalter laufend in Kontakt.

Die landeseigene Technologie- und Marketinggesellschaft TMG stehe beim Thema Standortentwicklung zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk gelte in den kommenden Tagen den 25 Quelle-Lehrlingen, man versuche sie so rasch wie möglich in enger Abstimmung mit dem AMS wieder auf Ausbildungsplätze zu bringen. Darüber hinaus gelte es auch für die älteren, zum Teil schon pensionsnahen Mitarbeiter beim Bund passende Lösungen zu erreichen. Mitte Jänner soll es einen weiteren Runden Tisch geben. (APA)

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    Während der Abverkauf bei Quelle Österreich beginnt, endet die First für Interessenten Martin Lenz ein Angebot abzugeben.

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