Schild auf dem Weg zurück zur besten Slalomfahrerin

30. November 2009, 10:11
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Warten auf den gemeinsamen Sieg mit Raich - Zettel ist Weltcupführung egal

Aspen - Drei ÖSV-Damen haben den Ski-Nobelort Aspen mit guten Erinnerungen verlassen. Eva-Maria Brem könnte im Riesentorlauf endlich der Durchbruch gelungen sein, Kathrin Zettel verließ den USA nach dem dritten Podestplatz in Folge als Weltcup-Gesamtführende, und Marlies Schild jubelte über den ersten Podestplatz im erst zweiten Comeback-Rennen.

"Das Wichtigste war, dass ich gesehen habe, dass ich nur Skifahren brauche, um vorne dabei zu sein!" Dieser Satz bewies mehr als alles andere, dass der alte Ehrgeiz in Schild längst wieder erwacht ist. 13 Monate nach ihrem Schien- und Wadenbeinbruch verhinderte nur ein kapitaler "Steher" der Österreicherin sowie eine Sonderleistung von Ex-Weltmeisterin Sarka Zahrobska den ersten Schild-Sieg.

"Großer Schritt"

Die Salzburgerin will ganz klar dorthin zurück, wo sie vor ihrer Verletzung war und wo sie nicht nur Ex-Kollegin Alexandra Meissnitzer schon wieder wähnt: Wieder die beste Slalomläuferin der Welt zu sein. "Aspen war ein großer Schritt dorthin", strahlte die Freundin von Benni Raich.

Innerhalb einer Stunde waren sowohl Raich im Super-G von Lake Louise als auch Schild im Aspen-Slalom Zweite geworden. "Ich habe mich diesmal solidarisch erklärt", witzelte Schild. 2007 hatte sie den Slalom in Panorama gewonnen, nachdem Raich in Lake Louise ebenfalls Platz zwei im Super-belegt hatte.

Gewonnen haben die beiden am selben Ort (Levi) und am gleichen Wochenende auch schon, aber noch nie am gleichen Tag. Knapp verpasst haben die beiden am Montag auch ein Treffen am Flughafen in Denver, denn Schilds Jet nach Europa hob zwei Stunden vor der Landung von Raichs Flieger aus Kanada ab. Raich bestreitet diese Woche noch die Rennen in Beaver Creek.

"Leistung sehr schön"

Der gemeinsame Sieg wird hoffentlich irgendwann Realität, denn Schild ist ohne neuerliche Verletzung beim Comeback wohl nicht zu stoppen. In Aspen hatte sie Tränen in den Augen, freute sich über Platz zwei fast mehr als über jeden ihrer 20 Siege.

"Auch wenn dieser Slalom wegen meiner vielen Fehler fahrerisch nicht ganz oben einzuordnen ist. Generell war meine Leistung sehr schön, ich habe noch nie solche Emotionen verspürt", lachte Schild schnell wieder. "Es ist ja doch das ganze Jahr der Verletzung hoch gekommen. Ich war die beste Slalomläuferin der Welt und ich hoffe, ich kann es wieder werden."

Zettel solo

Schild und Zettel verzichten im Gegensatz zu früher auf die Speedrennen in Lake Louise und bereiten sich nun in Österreich auf die nächsten Rennen in Aare/Schweden vor. Erst dort wird Zettel, seit der Trennung von ihrem Freund "glücklicher Single", wieder für die Gesamtwertung punkten können. Die Führung im Weltcup sei schön, "sie wird mir aber nicht lange bleiben", gab sich die Niederösterreicherin realistisch.

Dass sie nach dem Aus von Nicole Hosp und dem Formtief von Elisabeth Görgl die einzige ÖSV-Hoffnung auf die große Kugel sein könnte, geht an Zettel vorbei. "Mein Fuß gibt mir mein Programm vor, nicht eventuelle Punktechancen", erklärte die Göstlingerin, die wegen ihrer Kniesehnenprobleme immer noch sehr haushalten muss.

Rückhalt

Schilds Comeback freue sie nach dem Aus von Nicole Hosp umso mehr, so Zettel. "Schön, dass ich nun im Slalom wieder einen Rückhalt habe. Ich wünsche Marlies, dass sie bald noch weiter nach vorne kommt!" Neuerliches Weihnachts-Shoppen mit dem frischen Preisgeld ging sich aber für keine mehr aus. Aber Schild hatte für den Neffen David (Sohn von Carina Raich und Mario Stecher) ebenso bereits vorgesorgt wie Zettel für Nichte Anika.

Neben diesem Trio war von den ÖSV-Damen in Aspen freilich nicht viel zu sehen gewesen. Michaela Kirchgasser und Top-Athletin Görgl, die konditionell alle in die Tasche steckt, kamen mit der Eispiste überhaupt nicht zurecht, obwohl sie im Training mit Schild und Zettel auf Augenhöhe sind. Damenchef Mandl ging einerseits mit seinen vielen jungen Läufern kritisch um ("Eine Riesenchance verpasst"), bat aber umgekehrt auch um Geduld. "Auch große Läuferinnen wie Michaela Dorfmeister haben fünf Jahre gebraucht, bis sie gewonnen haben."

Der Abschied von Aspen fiel einigen wie immer gar nicht so leicht. Denn der reizende Millionärsort ist ebenso Legende wie auch ein einziges Understatement. Was sich hier trotz Krise an Hollywood-Prominenz vor allem rund um Weihnachten und Neujahr trifft, würde anderenorts Paparazzi ein Lebenseinkommen sichern. Die "Aspenites" gehen jedoch bekanntlich extrem locker damit um.

Sichtbar wie noch nie wurde aber auch, dass die Krise in den USA selbst an einem Millionärsnest wie Aspen nicht spurlos vorbeigeht. Die Lokale und Restaurants waren sogar am Thanksgiving-Wochenende teils halb leer, und die bisher exorbitanten Hauspreise und Mieten sind im Keller.

Die Veranstalter hatten trotz Lindsey Vonn erstmals sogar mit Gratis-Essen und Getränken versucht, mehr Zuschauer ins Weltcup-Zielstadion zu bekommen. Mehr als tausend Fans pro Rennen fanden sich trotzdem nicht am Fuße des Aspen Mountain ein. "Wirklich mehr Echo hätten wir nur, wenn wir wieder später im Dezember Rennen haben könnten", seufzte Pressechef Jeff Hanle. Da ist bekanntlich aber vor allem Österreich dagegen. (APA)

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    Im zweiten Rennen nach ihrem Comeback am Stockerl: Marlies Schild.

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