Strebsames Nesthäkchen macht Karriere

29. November 2009, 22:26
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Kristina Köhler (32), künftige deutsche Familienministerin

Prinzessin? Model? Tierärztin? Dreimal Fehlanzeige. Kristina Köhler (CDU), die am heutigen Montag zur neuen deutschen Familienministerin ernannt wird, hatte nie die typischen Berufswünsche kleiner Mädchen. Schon früh wusste die Tochter eines Anwalts und einer Immobilienmaklerin aus dem hessischen Wiesbaden: Sie will in die Politik. "Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl" , schilderte die heute 32-Jährige einmal ihre eher ungewöhnliche Begeisterung für den deutschen Altkanzler.

Doch als Zwölfjährige erlebt Köhler, die von ihrem Bruder "Hängebauchschweinchen" genannt wird, zunächst einen herben Rückschlag. In die Junge Union (JU), erklärt man ihr dort, darf man erst mit 14 Jahren eintreten. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als zu wachsen und zu warten. Dafür geht es danach alles ganz schnell: Junge Union mit 14, CDU-Mitglied mit 17, Stadtverordnete in Wiesbaden mit 23, Bundestagsabgeordnete mit 25 Jahren. Daneben studiert sie Soziologie und Politikwissenschaft.

"Merkels Mädchen" wird Köhler bereits in Berlin genannt - eine Anspielung an die Karriere von Kanzlerin Angela Merkel. Diese wurde unter Kohl ja auch als junge Frau schon zur Ministerin. Doch eine äußere Wandlung, wie die Deutschen dann bei Merkel erlebten, dürfte bei Köhler ausbleiben. Da sitzen die Perlenkette und die teuren Kostüme schon seit Jahren perfekt.

Bundesweit ihre ersten Meriten erwirbt Köhler in jenem Untersuchungsausschuss, der ab 2006 die Rolle ehemaliger rot-grüner Politiker (Joschka Fischer, Frank-Walter Steinmeier) während des Irakkriegs zu ergründen versucht. Das Nesthäkchen des U-Ausschusses fragt präzise und hartnäckig.

Denn Köhler kann sehr hart sein, wenn es gegen Extremisten geht. Da sind ihr auch alle gleich gefährlich - rechte wie linke. Seit Jahren mahnt sie, dass Deutschland entschiedener gegen islamistischen Terror vorgehen müsse. Nachgiebiger ist sie bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die vielen in der konservativen hessischen CDU immer noch ein Dorn im Auge ist. Auch in der Homo-Ehe, sagt Köhler, würden "Werte gelebt, die für unsere Gesellschaft entscheidend sind" .

Köhler selbst ist ledig und hat keine Kinder. Für das Amt der Familienministerin, die auch für Senioren zuständig ist, fühlt sie sich dennoch berufen: Sie habe sich auch bisher schon mit "gesellschaftlichen Themen" befasst, erwidert sie Zweiflern. Aber ihren eigenen Kinderwunsch hat sie fürs Erste hintangestellt. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2009)

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