Ein stürmischer Dezember steht bevor

29. November 2009, 18:34
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Die Zahlungsprobleme von Dubai und die Bilanzkosmetik einiger Banken dürften zu erheblichen Turbulenzen an den Börsen führen

Wien - Während die Aktienmärkte seit März neue Höhen erklimmen, ist ein anderer Wertpapiermarkt wieder auf seinem Krisenniveau angekommen: der Markt für T-Bills, kurzfristige US-Staatspapiere. Viele Treasury Bills zahlen wie bereits zum Höhepunkt der Finanzkrise vor einem Jahr einen negativen Zinssatz, sie kosten den Investoren also Geld.

Doch warum haben Investoren in den vergangenen Wochen massiv Geld in diese Wertpapiere gesteckt, wo sie doch dafür eine Art Strafprämie zahlen müssen? Diese Schuldpapiere mit Laufzeiten von maximal einem Jahr sind wohl die sicherste kurzfristige Anlageform, die großen Pensionsfonds und Banken zur Verfügung steht. Und nach einer langen Erholung der Aktienmärkte sind die Investoren offenbar bereit für etwas mehr Sicherheit auch zu zahlen.

Tatsächlich notieren jene Papiere, die Anfang Jänner oder Februar auslaufen, derzeit bei negativen Zinsen von 0,03 Prozent. Negative Zinsen auf dem rund 1800 Milliarden Dollar (1202 Mrd. Euro) schweren Markt für T-Bills treten besonders in Krisenzeiten auf, wenn Investoren für ihr Kapital einen sicheren Hafen suchen und Aktien verkaufen. Ein weiteres Anzeichen für mehr Risikobewusstsein ist, dass die Aktivität und damit das Handelsvolumen an den Aktienmärkten im November stark gefallen sind.

Das Dubai-Debakel

Analysten haben aus diesem Verhalten geschlossen, dass besonders professionelle Investoren einfach "Angst" vor einem stürmischen Dezember haben. Diese Unsicherheit wurde durch die Zahlungsprobleme des arabischen Emirats Dubai noch verstärkt. Der sogenannte "Angst-Index" der US-Börsen, der Volatility Index der Optionsbörse in Chicago, ist wieder stark gestiegen, um 20 Prozent. Ein höherer Wert des Index bedeutet, dass Investoren mit höheren Schwankungen an den Börsen rechnen.

Die Zahlungsprobleme der Dubai-Gesellschaft Dubai Worlds, die bis zum Mai 2010 keinerlei Schulden bedienen wird können, haben auch Folgen für Banken und Bauunternehmen weltweit. Insbesondere britische Banken haben in den arabischen Emiraten intensiv Kredite vergeben, bis zu 50 Mrd. Dollar nach Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Zudem haben viele Börsen im arabischen Raum feiertagsbedingt in der vergangenen Woche die Turbulenzen rund um Dubai noch gar nicht eingepreist.

Mit den möglichen Kreditausfällen von Dubai-Investitionen sind erneut die Bilanzen der Banken im Fokus, und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn per Jahresende müssen die Institute solide Zahlen vorlegen und einen gesunden Kapitalpolster präsentieren. Daher betreiben die Banken bereits Bilanzkosmetik, feilen intensiv an ihren Bilanzen und verkaufen risikobehaftete Papiere.

Die Praxis, dass Banken zum Jahresende mehr Sicherheit in ihre Portfolios packen, trägt laut Experten zur Unsicherheit im Dezember bei. So bestätigten Analysten von Morgan Stanley, dass US-Banken in den zuletzt bereits stärker in sichere Papiere wie T-Bills investieren als im Krisenjahr 2008. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2009)

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    Selbst professionelle Investoren scheuen derzeit das Risiko und verkaufen ihre Aktien. Fonds investieren in US-Schuldpapiere mit kurzer Laufzeit und nehmen auch negative Zinsen in Kauf.

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