Konservativer Lobo gewann Präsidentenwahl

30. November 2009, 14:29
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Fünf Monate nach Putsch gewann Großbauer mit fast 56 Prozent der Stimmen - Zweifel an Legitimität

Tegucigalpa/Lissabon - Bei der heftig umstrittenen Präsidentenwahl in Honduras, deren Legitimität von anderen lateinamerikanischen Staaten in Zweifel gezogen wird, steht der konservative Großgrundbesitzer Porfirio "Pepe" Lobo vor dem Sieg. Nach Auszählung von etwa 60 Prozent der Stimmen lag der Kandidat der rechtsgerichteten Nationalen Partei (PN) nach amtlichen Angaben mit 56 Prozent am Montag klar in Führung. Die Beteiligung lag laut Wahlkommission bei über 60 Prozent der 4,3 Millionen Stimmberechtigten. Nach der Nichteinhaltung einer von den USA vermittelten Vereinbarung durch die herrschenden Putschisten hatte eine Reihe von Ländern angekündigt, die Wahl nicht anzuerkennen.

Lobos Konkurrent, Elvin Santos vom rechten Flügel der Liberalen Partei (PL) des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya kam nach den vorläufigen Auszählungen auf 38 Prozent. Santos räumte seine Niederlage ein. Zelaya hatte zum Wahlboykott aufgerufen. Der rechtmäßige Präsident, dessen Mandat am 27. Jänner 2010 endet, wurde Ende Juni von der Armee in einer Nacht-und-Nebel-Aktion außer Landes gebracht. Seit dem 21. September, als Zelaya nach mehreren erfolglosen Versuchen die geheime Rückkehr gelang, hält er sich in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa auf. Er hat die Anfechtung der Wahl angekündigt.

Spanien und Portugal suchten unterdessen mit 20 Staaten aus Lateinamerika beim ibero-amerikanischen Gipfel in Estoril nach einem gemeinsamen Wortlaut für ihre Reaktion auf die Wahl. Ein Sprecher des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva erklärte am Montag in dem portugiesischen Konferenzort, die meisten Vertreter Südamerikas seien gegen eine Anerkennung der Wahl. Wenn man die Wahl bestätige, komme das einer stillschweigenden Duldung des Putsches gegen die Demokratie gleich. Dagegen deuteten Costa Rica, Panama und Peru vor der Wahl an, sie würden gemeinsam mit den USA das Ergebnis respektieren, wenn die Abstimmung fair verlaufen sei. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte die Mitgliedschaft von Honduras wegen des Putsches gegen Zelaya ausgesetzt.

Der Oberste Gerichtshof von Honduras hatte die symbolische Wiedereinsetzung Zelayas abgelehnt und damit eine von den USA vermittelte Übereinkunft zwischen den Legalisten und den De-facto-Machthabern ignoriert. Lobo sagte nach der Wahl am Sonntag vor Anhängern in Tegucigalpa, er wolle eine Regierung der "Versöhnung" bilden, um die durch den Staatsstreich entstandene Krise zu überwinden. In San Pedro Sula löste die Polizei eine Demonstration von Hunderten von Zelaya-Anhängern mit Wasserwerfern und Tränengas auf.

  (APA/AP/AFP)

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    Auch am Tag der "Wahl" ging die die Putschistenregierung unterstützende Polizei gegen Anhänger der legitimen Regierung vor.

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    Wahlkampf für Porfirio "Pepe" Lobo.

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