Ex-Guerillero Mujica wird Präsident

30. November 2009, 19:02
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Urgestein der uruguayischen Linken erreichte in Stichwahl 53 Prozent der Stimmen

José "Pepe" Mujica ist am Ziel: Noch klarer als erwartet hat das Urgestein der uruguayischen Linken, der ehemalige Tupamaro-Guerillero, Blumenzüchter und Landwirtschaftsminister, die Stichwahl für sich entschieden. Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kam Mujica auf 53 Prozent, für den rechtsliberalen Expräsidenten Luis Alberto Lacalle votierten knapp 43 Prozent.

In der Abenddämmerung waren Zehntausende fahnenschwingender Anhänger der seit 2005 regierenden "Breiten Front" in das Zentrum Montevideos gezogen. Bereits eine Stunde nach Schließung der Wahllokale brach Jubel aus.

Doch statt einer Pressekonferenz gab Mujica nur einen Kurzauftritt vor der singenden und fahnenschwingenden Menge. "Auf dieser Bühne müsstet ihr stehen, und wir müssten euch von unten Beifall spenden, denn diese Schlacht habt ihr geschlagen", sagte er. Auch der unterlegene Lacalle gab sich sportlich: "José Mujica wird ab dem 1. März auch unser Präsident sein", sagte der Kandidat der Nationalen Partei. Zwar beteuerte Mujica auch in der Wahlnacht, er werde die Politik seines Vorgängers fortsetzen.

Anders als Tabaré Vázquez will Mujica aber gegen Gesetze zur Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs kein Veto einlegen. Und seine erste Aufgabe sieht er darin, die wegen eines Zellstoffwerks an der Grenze arg strapazierten Beziehungen zu Argentinien wieder einzurenken: "Wir haben viel Geduld. Wir setzen uns an die Brücke und trinken Matetee." (Gerhard Dilger aus Montevideo/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2009)

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    Pepe Mujica nach seinem Wahlsieg in Montevideo.

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    Anhänger der "Frente Amplio" bei einer Kundgebung am Strand von Montevideo.

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