Nicht hundertprozentig ideal

27. November 2009, 19:41
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Mit einfachen naturwissenschaftlichen Methoden lässt sich auch der Klimawandel nicht erfassen

Was ist aus Haiders Porsche geworden? Es gab eine Versteigerung und der Herr, der den Zuschlag erhielt, will ihn angeblich gar nicht, jedenfalls nicht bezahlen. Die Berichterstattung darüber weist in eine metaphysische Richtung, vielleicht liegt dort auch die Antwort darauf, warum einer mitbietet und sich dann verweigert.

Wir titelten: „Haiders ehemaliger Porsche versteigert.“ Was ist ein ehemaliger Porsche? Früher war es offenbar ein 911er, aber es scheint etwas anderes daraus geworden zu sein. Trabant, Käfer, Blumentopf?, wir wissen es nicht, ein karantanisches Mysterium.

Überschätztes Risiko

Mit einfachen naturwissenschaftlichen Methoden lässt sich auch der Klimawandel nicht erfassen. Wir brachten am vergangenen Dienstag eine interessante Rechnung ins Spiel: Zählt man die Hälfte dazu, dann hat man doppelt so viel. Das geht so: Wir schrieben „ein Grad verdoppelt Risiko“. Ein paar Zeilen weiter führten wir aus: „Wenn die Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius über dem Normalwert lag, wuchs die Wahrscheinlichkeit um fast 50 Prozent.“

Der Klimawandel ist als persönliche Erfahrung ja schwer zu fassen, übertragen wir die Rechenmethode also ins Wirtschaftliche: Sollte unsere Hausbank uns erklären, sie würde endlich die Sparzinsen verdoppeln und künftig 3 statt 2 Prozent zahlen, würden wir uns da nicht gepflanzt vorkommen?

Wenig Gutes wussten wir etwas undifferenziert über das Angebot an medizinischer Hilfe für Diabetiker zu sagen: „Die Versorgungslage ist auch in Österreich nicht hundertprozentig ideal und wird nach wie vor als höchst unzureichend bemängelt.“ Was davon eher stimmt, werden die Betroffenen gut beurteilen können, sicher ist, dass wir das nicht hundertprozentig ideal ausgedrückt haben. Wir scheuen jedoch keine Herausforderung, wir drücken uns auch tschechisch aus. Deutlich gemacht haben wir das an einer Ausstellung in der Universität Wien, die sich den vergessenen deutschen Widerständlern im von NS-Deutschland besetzten Sudetenland widmet. Der Titel lautet „Vergessene Helden“, wir gaben ihn auch tschechisch wieder – zapomenutí hrdové ist nicht ganz korrekt, richtig ist zapomenutí hrdinové.

Ganz richtig ist, dass die Sudetendeutsche Partei (SdP) im Jahr 1938 in der NSDAP aufging. SdP-Führer Konrad Henlein wurde zum SS-Ehrenführer ernannt, wurde Gauleiter und Reichsstatthalter. Auch wenn es einen kleinen Protesthagel verursacht hat: Das rechtfertigt die Wortwahl faschistische Sudetendeutsche Partei. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2009)

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