Biomehl bei Rewe: Verdacht auf Pestizide bestätigt sich

27. November 2009, 19:26
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Amtliche Kontrollstelle weist Rückstände verbotener Lagerschutzmittel nach - Handelskette wechselt Lieferant

Wien - Rewe ist auf Biomehl nicht gut zu sprechen. Die Handelskette hat vor zwei Wochen entsprechende Packerln der Marke "Ja! Natürlich" tonnenweise österreichweit aus ihren Regalen geholt. Analysen hatten, wie der STANDARD in Erfahrung brachte, verbotene Pestizide zutage gefördert. Bei der Staatsanwaltschaft gingen in der Folge zwei Anzeigen ein. Der Verdacht, dass sich in ihrem - als biologisch deklarierten - Mehl Rückstände nicht zugelassener Insektizide befanden, ist seit Freitag amtlich bestätigt.

Kontrollore wurden fündig

Die Lebensmittelbehörde zog in den Supermärkten und in der verantwortlichen Waldviertler Mühle 19 Proben und ließ diese bei der Agentur für Ernährungssicherheit überprüfen: Eine war positiv, sagt Walter Mittendorfer, Lebensmittelkontrollor des Landes Niederösterreich. Auch die Kontrollstelle Bio Garantie Austria, die im Rewe-Auftrag prüfte, wurde fündig. In einer von drei im Handel genommenen Proben fand sich das Lagerschutzmittel Chlorphyrifosmethyl. Es ist in der Regel nur im konventionellen Getreidegeschäft im Einsatz.

Die Bio Austria Garantie nahm in den vergangenen zwei Wochen nahezu hundert Mehl- und Staubproben unter die Lupe. Mühle und Lager wurden auf verbotene Pestizide ebenso abgeklopft wie Lieferanten, die für Rewe Getreide einkaufen. Noch ausständig sind ihre Ergebnisse der Analysen bei einigen Landwirten. Die betroffene Mühle liefert seit einer Woche aus Sicherheitsgründen kein Mehl mehr an Rewe aus. Laut der Agentur für Ernährungssicherheit machten es die Pestizide nicht gesundheitsgefährlich. Ein Biosiegel darf es freilich nicht tragen.

Suche nach Schuldigen

Nach den Quellen der Verunreinigung wird nach wie vor akribisch geforscht. In der heiklen Causa ermitteln dem Vernehmen nach mittlerweile auch Linzer Kriminalbeamte, die zuvor in ähnlichen Fällen tätig waren. Der Ausgang des Verfahrens könnte, sind sich Branchenkenner einig, auch über die Existenz der Mühle mit ihren rund 15 Mitarbeitern entscheiden - sollte nämlich Kunde Rewe Schadenersatzforderungen an sie stellen. Hinter den Kulissen zeichnet sich ab, dass die Mühle nicht für die Verunreinigung verantwortlich ist.

Der finanzielle Schaden ist bisher hoch, wer für ihn aufkommt, ist nach wie vor ungewiss: Die Anwälte werden hier künftig das Sagen haben. 

Aufklärung versprochen

Rewe hat in der Zwischenzeit für Ersatzproduzenten gesorgt. Neuer Lieferant ist die Biomühle Rannersdorfer, eine Tochter des Raiffeisen-Mühlenriesen Leipnik Lundenburger mit Sitz in Schwechat. Ihre Produkte stehen ab kommenden Montag in den Regalen.

Rewe betont, "umgehend umfassende Prüfungen eingeleitet zu haben", und verspricht einmal mehr, den Fall lückenlos aufzuklären. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.11.2009)

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