Bürgermeister nach Wanderunfall freigesprochen

27. November 2009, 19:18
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Richtungsweisendes Urteil: Auf alpinen Steigen muss ein Restrisiko akzeptiert werden

Salzburg - Aufatmen bei Gemeinden und alpinen Vereinen: Die erstinstanzliche Verurteilung des Bürgermeisters von Unterach am Attersee wegen fahrlässiger Körperverletzung nach dem Wanderunfall eines deutschen Touristen wurde in der zweiten Instanz aufgehoben.

Der Wanderer war auf einer Brücke ausgerutscht und hatte sich beim Sturz an der Hand schwer verletzt. Das Brückengeländer hatte dem Druck des über 100 Kilo schweren Mannes nachgegeben. Rund 7000 Euro Strafe und Schmerzensgeld hatte das Erstgericht Bürgermeister Engelbert Gnigler (SP) und seinem Amtsvorgänger aufgebrummt. Die Kommunalpolitiker hätten es verabsäumt, für eine fachgerechte Überprüfung durch einen Sachverständigen zu sorgen, lautete der Richterspruch sinngemäß.

Das Oberlandesgericht Salzburg als zweite Instanz beurteilte die Sache am Freitag hingegen ganz anders. Die Überprüfung durch Gemeindearbeiter sei völlig ausreichend. Gerade bei einem alpinen Wanderweg könne ein gefahrloser Zustand eben nicht immer erreicht werden, erklärte Richterin Elisabeth Schmidbauer als Vorsitzende des Berufungssenates.

Mit dem Freispruch, der letztlich ein gewisses Restrisiko auf alpinen Steigen einräumt, ist ein richtungsweisendes Urteil gefällt worden. Hätte die Tendenz zur unbeschränkten Haftung der Wegeerhalter in der Rechtsprechung angehalten, "wird der Österreichische Alpenverein aus finanziellen Gründen mittelfristig gezwungen sein, die Wegebetreuung zurückzulegen", hatte der Vizepräsident des ÖAV, Andreas Ermacora, nach der Verurteilung in erster Instanz gewarnt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. November 2009)

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