Ein hässliches Entlein erweicht die Massen

27. November 2009, 18:53
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Susan Boyles Erstlingsalbum wird zum Weihnachtsmärchen

My dream is to become a great singer like Susan Boyle." Spätestens als Homer Simpson aus der US-Comic-Serie The Simpsons im Mai dieses Jah- res den Wunsch äußerte, ein so toller Sänger wie Susan Boyle zu werden, war klar, Boyle hat es geschafft! Seit dieser Woche belegen das auch Zahlen. Allein in Großbritannien verkaufte sich das Debütalbum I Dreamed A Dream der schottischen Pfarrhelferin am ersten Tag 130.000 Mal. Bis Ende der Woche rechnet man mit einer halben Million verkaufter Alben. Und der Online-Handelsriese Amazon verzeichnete die meisten Vorbestellungen seiner Geschichte.

Damit hat die Welt ihr ganz reales Weihnachtsmärchen. Für eine graue Maus, angeblich ungeküsst, verwirklicht sich ihr Kindheitstraum. Denn seit sie als jüngstes von neun Kindern eines Bergbauarbeiters in der schottischen Industriestadt Blackburn Gesangsstunden erhielt, wollte sie Sängerin werden. Zwar bescheinigte man ihr Talent, alle anderen Dinge, die eine Karriere hätten voranbringen können, fehlten der am 1. April 1961 Geborenen jedoch.

Sie wurde wegen ihres Äußeren verspottet und ob ihrer Langsamkeit "Susie Simple" genannt. Statt etwas aus ihrem eigenen Leben zu machen, pflegte sie ihre kranke Mutter - bis diese 2007 mit 91 Jahren starb. Dann bewarb sich Boyle bei der britischen Casting-Show Britain's Got Talent und belegte - zuerst belächelt, dann euphorisch unterstützt - mit einer Interpretation von I Dreamed A Dream aus dem Musical Les Misérables den zweiten Platz.

Von der tranigen Ballade, vorgetragen von einem hässlichen Entlein mit schwachen Nerven, ließen sich die Massen erweichen. Auf Online-Video-Portalen wie Youtube wurde ihr Auftritt hunderte Millionen Mal aufgerufen. Kommenden Freitag erscheint das Album in Österreich. Darauf befinden sich zwölf Songs, die Boyle stocksteif aber inbrünstig an die Kitschgrenze führt. Lieder von den Rolling Stones, Gospels, ein Weihnachtslied und Popsongs wie Daydream Believer. Allesamt Stücke, die sich auf Boyle anwenden lassen.

Es stehen Tourneen in Großbritannien und den USA an, doch Boyle, der der Rummel um ihre Person schon einmal einen Erholungsaufenthalt in einer Klinik eingebracht hat, will es langsam angehen. Denn ihr größter Wunsch hat sich bereits erfüllt. "I would like to dedicate this Album to my Mother, to whom I made a promise to be ,someone'!", steht im Beiheft ihrer CD.

Ob sich Disney schon die Rechte an der Geschichte gesichert hat, ist nicht bekannt. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.11.2009)

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