Erhofftes Spendenplus bleibt aus

27. November 2009, 18:50
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Aber immerhin: Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise zeigen sich die Österreicher gleich spendabel wie in den letzten Jahren

Wien - Die Zahl der Hilfsbedürftigen nimmt in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und knapper Budgets der öffentlichen Hand zu. Die Einnahmen von Hilfsorganisationen können mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt halten. Entgegen ersten Prognosen wird das Spendenaufkommen in Österreich heuer nicht zunehmen.

Wegen der neuen Möglichkeit, Spenden von der Steuer abzusetzen, rechnete man noch im Sommer mit zusätzlichen Einnahmen von rund 40 Millionen Euro. Nun gehe man von gleichbleibenden Zahlen aus, sagt Florian Bittner von Institut für Spendenwesen zum STANDARD. Zur Orientierung: 2008 wurden von Privaten rund 300 Mio. Euro gespendet, von Betrieben weitere 50 Mio. Euro. Die steuerlichen Vorteile seien offenbar noch nicht bis zur Bevölkerung durchgedrungen, meint Bittner.

Solidarität in Zeiten der Krise

Andererseits macht sich die Wirtschaftskrise auch nicht negativ bemerkbar, zeigt ein Rundruf bei Rotem Kreuz, Caritas und SOS Kinderdorf, den Organisationen mit dem größten Spendenvolumen. "Es gibt eine Solidarität in Zeiten der Krise: Wenn du kannst, dann zeigst du das auch", sagt Rotkreuz-Sprecherin Andrea Winter.

Auch Caritas-Chef Franz Küberl rechnet damit, dass die rund 38,4 Mio. Euro Spenden des Vorjahres bei seiner Organisation gehalten werden können. Angesichts der steigenden Zahl an Anfragen um Hilfen meint er aber: "Mit zehn Prozent mehr wäre mir wohler." SOS Kinderdorf erhielt von privaten Wohltätern tatsächlich um vier bis fünf Prozent mehr Geld, von Unternehmensseite kam aber gleichzeitig etwa zehn bis 20 Prozent weniger Unterstützung, was man dort schon in Zusammenhang mit der Krise setzt.

Nach wie vor für Kritik sorgt, dass nicht alle Spenden steuerlich absetzbar sind, sondern nur jene für mildtätige und humanitäre Zwecke. Vorerst leiden zwar NGOs wie Greenpeace nicht darunter, mittelfristig werde es aber zu Verschiebungen im Spendenverhalten kommen, glaubt Günther Lutschinger vom Fundraising Verband Austria. Er plädiert daher dafür, alle Spenden gleich zu behandeln: "Der Staat sollte jedes gemeinnützige Engagement gleich schätzen und sich nicht auf Besser- und Schlechter-Wertungen einlassen." Gerade in Zeiten der Klimadiskussion zeige sich, "wie eng humanitäres Engagement und Umweltschutz zusammenhängen".

Sozialversicherungsnummer ab 2011 nötig

Große Auswirkungen auf das Budget seien ohnehin nicht zu befürchten, meint Lutschinger. Das Finanzministerium hat wegen der Spendenabsetzbarkeit mit 100 Mio. Euro Steuerausfall gerechnet. Tatsächlich sei nur ein Drittel davon zu erwarten, sagt Lutschinger. Denn: Nur wenige würden einen Lohnsteuerausgleich machen.

Unglücklich ist der Experte auch mit der schon beschlossenen Änderung ab 2011. Dann müssen die Spender nämlich ihre Sozialversicherungsnummer bei den Hilfsorganisationen angeben. Im Gegenzug erfolgt die Steuergutschrift automatisch. Erste Tests hätten aber gezeigt, dass die Menschen äußerst zurückhaltend bei der Angabe ihrer Sozialversicherungsdaten seien. (Günther Oswald, Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.11.2009)

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    Die Österreicher spenden jedes Jahr rund 300 Millionen Euro für wohltätige Zwecke.

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