Fischer ist schuld

27. November 2009, 18:27
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Fürs erste dürfte Hans Dichand der überparteilichen Initiative "Für Österreich" nicht beitreten

Fürs erste dürfte Hans Dichand der überparteilichen Initiative "Für Österreich" nicht beitreten. Wie sehr die Prominenten, die sich bisher für eine Wiederwahl des Bundespräsidenten ausgesprochen haben, dies bedauern, ist nicht bekannt. Dichand kann es Heinz Fischer nicht verzeihen, dass er seinen Privatkandidaten Erwin Pröll nicht einmal bei der ÖVP durchgebracht hat. Dieser freche Ungehorsam gegenüber seinen Wünschen wird noch lange an ihm nagen, womöglich bis über den Wahltermin hinaus. Jetzt hat er nur noch die zehnfache deutsche Mutter Barbara Rosenkranz auf seiner Hitlist und fragt sich womöglich, ob er nicht doch lieber hätte seinen Hund streicheln sollen, statt sich unbeachtet und unbedankt schwerste Sorgen um das Land im Würgegriff der Europäischen Union abzuquälen.

Aber noch kann er nicht aufgeben. Als Peter Gnam enthüllte er Dienstag die teuflische Taktik, mit der Fischer die bereits so gut wie sichere Doppelherrschaft von Cato und Erwin über Österreich konterkarierte. Als Bundespräsident Heinz Fischer vor dem Sommer die Aufforderungen von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, sich endlich offiziell zu deklarieren, ob er noch einmal für das höchste Amt im Staat antreten werde, mit eisernem Schweigen beantwortete, war die Marschroute Fischers klar: wie beim Mikado nicht bewegen, keinen Fehler machen, geduldig warten, was passiert.

Da hilft es gar nichts, wenn Fischer jetzt erklärt, er fände einen Gegenkandidaten wünschenswert - damals, als ihm Hinz und Kunz, konkret Dichand und Pröll, ein Geständnis abpressen wollten, hätte er sein eisernes Schweigen brechen müssen. Dann hätte Pröll mit einem Wissensstand, der dem heutigen schon damals sehr nahe kam, bereits vor dem Sommer fordern können, seine Partei müsse unbedingt einen Kandidaten aufstellen, aber nur nicht ihn. Da hätte man die deutsche Mutter noch aufbauen können.

Wieder als Peter Gnam malte er Mittwoch unter dem Titel Gefährliches Solo die Tücken aus, die dem eisernen Schweiger für seinen Hang zum Mikado dräuen. Solo für Fischer also, aber genau das kann für das Staatsoberhaupt gefährlich werden. Auf der einen Seite werden dann nämlich viele sagen, wenn Fischer keinen Gegner hat, gehe ich gar nicht wählen. Auf der anderen Seite könnte es zu einem stillen Bündnis zwischen Fischer-Gegnern und jenen kommen, die das Amt des Bundespräsidenten abschaffen wollen. Eine Allianz, die ein mehrheitliches "Nein" zur Alleinkandidatur Fischers durchaus möglich erscheinen lässt, und das wäre dann wohl eine fürchterliche Blamage für das Staatsoberhaupt.

Eine Gedankenführung, deren stringente Logik stark nach Dichand riecht: Fischer ist schuld daran, dass kein anderer Kandidat antritt, weil er vor dem Sommer geschwiegen hat. Daher wäre eine sinkende Wahlbeteiligung, wie sie bei einer Alleinkandidatur nicht überraschend ist, eine fürchterliche Blamage - für ihn, nicht etwa für jene, die keinen Kandidaten aufstellen. Es fehlt nur noch ein Aufruf Catos, nicht wählen zu gehen. Dann könnte man alle Nichtwähler unbesehen als "Krone"-Wähler einsacken.

Als Michael Jeannée legte er am selben Tag ein paar Seiten weiter hinten noch ein Schäuferl nach, für den Fall, dass Logik nicht ausreicht. Heinz Fischer: Gut gemacht! Bloß eines, eines haben Sie bei der ganzen Kalkulierer- und Tüftelei vergessen. Nämlich die Langeweile, die Sie verbreiten, und die das Wahlvolk einzuschläfern droht, wenn der Stimmzettel infolge Fehlens eines Gegenkandidaten (welcher, so wie 's ausschaut, weit und breit nicht auszumachen ist) lautet: Heinz Fischer Ja, Heinz Fischer Nein.

Von der Schuld, keinen Gegenkandidaten zu haben, wird sich Fischer vor Cato wohl niemals reinwaschen können. Aber wer dessen Wunschkandidaten allein durch eisernes Schweigen abmurkst, hat es nicht besser verdient. Dieser Meinung haben sich völlig freiwillig auch schon Völser, Rappoltenkirchner und sogar aufrechte Demokraten, deren Name und Anschrift der Redaktion bekannt sind, angeschlossen.

Auf die ist ebenso Verlass wie auf Jeannée, wenn ein Mensch unter Polizeikugeln stirbt, wie neulich jener amtlich vom Selbstmord abgehaltene Wiener. Liebe Polizisten, bot er Trost und Rat angesichts endloser Gutmenschen-Diskussionen: nicht einmal ignorieren und zur Tagesordnung übergehen. Denn es ist im Grunde nix passiert, außer dass ein Selbstmörder fand, was er gesucht hat: seinen Tod. Das sollte ein paar Regierungsinserate wert sein. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 28.11.2009)

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