Strafe für den Überbringer

27. November 2009, 18:51
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Es liegt an der SPÖ, sich die unangenehmen Botschaften nicht allein anhängen zu lassen

Im Glanz der Sieger lässt es sich gut sonnen. Kein Wunder also, dass sich viel ÖVP-Prominenz unter die jubelnde Menge mischte. Innenministerin und Staatssekretärin klatschten ebenso mit wie Generalsekretär und Klubobmann. Zu zelebrieren gab es den Triumph der schwarzen Beamtengewerkschafter bei den Personalvertretungswahlen, den die Mutterpartei zu Recht auch für sich reklamiert.

Die taktische Hinterfotzigkeit, mit der die ÖVP den Grant der Beamten auf die rote Konkurrenz gelenkt hat, verdient aus schwarzer Sicht Applaus. Denn eigentlich ist es gerade Parteichef Josef Pröll, der üblicherweise den Sparmeister spielt: Mutige Einschnitte, die auch die eigene Klientel nicht verschonen, verspricht der Finanzminister. Wenn es um die Dreckarbeit geht, schickt er freilich andere vor.

Als Feindbild der Beamten sprang etwa Claudia Schmied ein, die den Lehrern zwei Stunden mehr Unterricht vorschreiben wollte. Die Unterrichtsministerin hat diesen Kampf aber nicht aus Bosheit angezettelt, sondern aus Spargründen - weil ein gewisser Josef Pröll das Budget zusammengestrichen hat. Der Finanzminister macht auch kein Geld für ein neues Beamtendienstrecht locker. Die schlechte Nachricht verkünden - und sich die Watschen abholen - darf jedoch Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Freiwillig wird Pröll die Wange nicht hinhalten; so christlich ist die ÖVP dann doch nicht. Es liegt an der SPÖ, sich die unangenehmen Botschaften nicht allein anhängen zu lassen. Denn bestraft wird immer der Überbringer. (Gerald John/DER STANDARD, 28.11.2009)

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