EU-Währungshüter drängen zu Aufwertung

27. November 2009, 17:30
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Die Europäer wollen China zu einer Aufwertung seiner Währung drängen, um Handelsungleichgewichte abzubauen

Peking - Die Europäer wollen China zu einer Aufwertung seiner Währung drängen, um Handelsungleichgewichte abzubauen. Vor dem EU-China-Gipfel in der ostchinesischen Stadt Nanjing kommen die obersten europäischen Währungspolitiker am Wochenende mit den Finanz- und Währungsverantwortlichen Chinas zusammen. Sie wollen dabei deutlich machen, dass ein stärkerer chinesischer Yuan nicht nur im europäischen, sondern auch im Interesse Chinas ist.

Im Mittelpunkt des Montag anschließenden EU-China-Gipfels stehen die Weltwirtschaftskrise, Handelsspannungen, Chinas Forderung nach Anerkennung als Marktwirtschaft sowie der Klimaschutz eine Woche vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt treffen mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao zusammen. Beide Seiten wollen Abkommen über die Kooperation in Wissenschaft und Technologie, Wirtschaft und Handel sowie im Umweltschutz unterzeichnen.

Zuvor kommen schon der Chef der europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, und Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia in Nanjing mit Vertretern der Zentralbank, des Finanzministeriums und der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission sowie ebenfalls mit dem Ministerpräsidenten zusammen. Im Vorfeld hatte China aber - wie schon beim jüngsten Besuch von US-Präsident Barack Obama in Peking - deutlich gemacht, an seinem "grundsätzlich stabilen" Wechselkurs festhalten zu wollen.

Chinesische Importe künstlich verbilligt

Die Europäer halten den Yuan für unterbewertet, was ihre Ausfuhren nach China verteuert und umgekehrt chinesische Importe künstlich verbilligt. Wirtschaftsvertreter beklagen, dass die Dollarschwäche auf der einen und der unflexible Wechselkurs in China auf der anderen Seite den europäischen Exporteuren ausgerechnet in der globalen Absatzkrise noch zusätzliche Belastungen aufbürdet. Dadurch könne die wirtschaftliche Erholung der Eurozone gefährdet werden, hieß es.

Der Euro hat seit Jahresanfang um 20 Prozent gegenüber dem Yuan zugelegt, der seit Mitte 2008 praktisch an den US-Dollar gekoppelt ist. 2008 importierte die EU für 248 Mrd. Euro aus China, exportierte aber nur Waren im Wert von 78 Mrd. Euro ins Reich der Mitte. Zwischen Jänner und Oktober 2009 fiel das Handelsvolumen nach chinesischen Angaben durch die globale Wirtschaftskrise um 18 Prozent. Die EU ist der größte Handelspartner Chinas und hat einen Anteil von 17 Prozent am gesamten chinesischen Außenhandel.(APA)

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