OMV hält an Petrol Ofisi fest

27. November 2009, 16:11
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Der österreichische Mineralöl­konzern wird nur noch durch Zukäufe wachsen können, weil die Ausbeute an Gas und Öl sinkt

London - Die OMV werde künftig nur noch durch Zukäufe wachsen können, da die mögliche Ausbeute der Öl- und Gasfelder stetig zurückgehe "und wir nicht im Geschäft mit erneuerbaren Energien tätig sind. Unserem Wachstum sind natürliche Grenzen gesetzt", sagte Wolfgang Ruttenstorfer, Vorstandschef des österreichischen Mineralölkonzern, am Freitag beim OMV Media Summit in London. Akquisitionen seien also notwendig, über konkrete Zukäufe könne man jetzt aber nicht sprechen.

70 Prozent der Felder der OMV-Gruppe seien bereits sehr alt, erklärte OMV-Vorstand Helmut Langanger. Wenn man nichts täte, würde die Ausbeute dieser Felder jährlich um 10 Prozent zurückgehen, das entspreche etwa dem natürlichen Rückgang. Man könnte durch verschiedene Maßnahmen diesen Rückgang aber deutlich verlangsamen, "im Idealfall" sogar stoppen, meint Langanger.

Hoffnung Türkei

Große Hoffnungen setzt Ruttenstorfer vor allem in die Türkei, die von den drei Kernmärkten der OMV - neben Zentraleuropa und Südosteuropa - der echte "Emerging Market" sei. Während nämlich die Ölnachfrage in Zentraleuropa bis 2020 abnehmen und in Südosteuropa nur leicht steigen werde, sei in der Türkei mit einer Verdoppelung der Nachfrage zu rechnen.

Obwohl die OMV ihr Ziel, die Mehrheit an ihrer türkischen Beteiligung Petro Ofisi zu übernehmen, vorerst auf Eis legen musste, legte Ruttenstorfer ein Bekenntnis zu diesem Investment ab. "Wir sind in diesem Unternehmen, um dort definitiv zu bleiben." Mit den mehr als 3.000 Tankstellen der Petrol Ofisi mit Firmensitz Istanbul habe man in der Türkei einen Marktanteil von rund 30 Prozent, darüber hinaus nehme die Türkei eine Schlüsselposition beim Nabucco-Projekt ein.

Für die Zukunft kündigte Ruttenstorfer eine strategische Verschiebung des Investitionsschwerpunkts weg vom Tankstellengeschäft und hin zu Exploration und Förderung an. Das Raffineriegeschäft werde an Bedeutung verlieren, Gas hingegen immer wichtiger werden, als Übergangs-Energieträger, bis man den Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken könne.

100 Prozent an Samsun

Am türkischen Gaskraftwerk Samsun hält die OMV nun 100 Prozent. Die Übernahme des 20-Prozent-Anteilspakets von Lehman Brothers sei gestern, Donnerstag, abgeschlossen worden, sagte Ruttenstorfer. Den Kaufpreis wollte er nicht nennen.

Ein weiteres geographisches Wachstum insbesondere in Osteuropa schließt Ruttenstorfer aus: "Wir wollen gar nicht nach Polen oder in die Ukraine." Die OMV habe jetzt eine Größe erreicht, mit der sie die nächsten zehn Jahre gut überleben könne. Was jetzt viel Sinn mache, seien vor allem Investitionen in den Upstream-Bereich etwa in Nordafrika oder in der Nordsee, dort sei das Geld zu verdienen, "das spielen wir in Zukunft", sagte der OMV-Vorstandschef.

Überangebot an Gas

Die Raffinerie-Margen seien von 10,4 Dollar (6,97 Euro) pro Barrel (je 159 Liter) vor einem Jahr auf heute nur noch 2,9 Dollar zusammengeschmolzen, erklärte der für das R&M-Geschäft (Refining and Marketing) zuständige OMV-Vorstand Gerhard Roiss. Laut Studien seien 8 bis 25 Prozent der europäischen Raffinerien gefährdet, es gebe in Europa derzeit eine Überkapazität von etwa 10 Prozent. "Europa hatte immer eine Überkapazität, die aber von den USA abgenommen wurde. Das ist vorbei", schilderte Roiss die geänderte Situation.

Beim Gas gebe es derzeit zwar ein Überangebot - der Verbrauch ist durch die Wirtschaftskrise gesunken - nach 2012 werde das Überangebot aber kein Thema mehr sein, ist Ruttenstorfer überzeugt. Um 2015 sei in Europa sogar mit einer Versorgungslücke von 112 Mrd. Kubikmetern Gas pro Jahr zu rechnen, im Jahr 2020 werde sich diese Lücke auf 225 Mrd. Kubikmeter vergrößern.

Insgesamt werde die Nachfrage nach fossilen Produkten vor allem nach Treibstoffen in der EU bis 2020 um 13 Prozent auf 558 Mio. Tonnen pro Jahr zurückgehen, sagte Roiss. Zwar werde die Mobilität um ein Zehntel zunehmen, andererseits würden der Einsatz von Bio-Treibstoffen und ein deutliche Senkung des Treibstoffverbrauchs von Autos diesen Effekt mehr als ausgleichen. Die Märkte der OMV hätte aber deutlich mehr Entwicklungspotenzial als die EU-27, glaubt Roiss, insbesondere in der Türkei werde die Nachfrage von 30 Mio. Tonnen (2007) um 15 Prozent auf 34 Mio. Jahrestonnen (2020) steigen. (APA)

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