GM-Europachef will nicht nur sparen

27. November 2009, 17:37
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General Motors will seine Wachstums- und Gewinnziele in Europa nicht allein durch Kostensenkungen erreichen

Frankfurt - GM-Europa-Chef Nick Reilly will in etwa drei Wochen seine Vorschläge für die Umsetzung des Sanierungsplans bei Opel präsentieren. Bis dahin sollten die Beratungen mit Regierungen und Arbeitnehmern möglichst weit sein, teilte er am Freitag in einem Internet-Blog des Konzerns mit. Sowohl von Beschäftigten als auch von den Regierungen forderte der Opel-Sanierer Unterstützung. "Wenn Opel/Vauxhall gedeihen soll, dann müssen alle Beteiligten ihren Beitrag zu unserem Sanierungsplan leisten."

Das Unternehmen habe der Europa-Tochter auch neue Ziele gesetzt, um die Gewinnschwelle zu erreichen. "Unser Sanierungsplan beinhaltet Kosten für die Restrukturierung, wir werden uns aber auch verpflichten, in Forschung und Entwicklung zu investieren sowie in einem aggressiven Zeitrahmen neue Modelle auf den Markt zu bringen", schreibt Reilly weiter. Damit reagierte Reilly auf Kritik von Gewerkschaften und dem Opel-Betriebsrat - ohne dabei allerdings Details zu nennen.

GM werde seine Wachstums- und Gewinnziele in Europa nicht allein durch Kostensenkungen erreichen, schreibt Reilly. Das Unternehmen müsse seine künftige Entwicklung auf dem aktuellen Erfolg mit dem neuen Astra und dem Mittelklassewagen Insignia aufbauen. Er betonte erneut, dass GM bei der Sanierung auf die finanzielle Unterstützung der Opel-Standortländer und der Belegschaft angewiesen sei. Er hofft, dass die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern binnen drei Wochen abgeschlossen werden können.

Subventionierung von Aspern

Der Betriebsratschef des Opel-Werkes in Bochum, Rainer Einenkel, glaubt, dass das GM-Werk in Wien-Aspern Subventionen erhält und so die Verlagerung der Getriebeproduktion von Bochum nach Wien mit Steuergeldern interessant macht. "Wir haben gehört, das die niederösterreichische Regierung diese Produktion mit Steuergeldern subventionieren will. Es könnte also zu einem Personalabbau in Deutschland kommen, weil in Österreich mit Steuergeldern neue Arbeitsplätze geschaffen werden" sagte Einenkel im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche".

Sollte sich dies bewahrheiten, würde Einenkel die EU anrufen und prüfen lassen "ob so etwas überhaupt zulässig ist".

In Österreich stieß der Vorwurf einer Subventionierung der Getriebeverlagerung eher auf Verblüffung. Zunächst, weil das Werk in Wien ist und Niederösterreich für eine Förderung nicht primär zuständig wäre. Im Wirtschaftsressort des Landes Niederösterreich hieß es eine solche Förderung sei nicht bekannt.

Auch ein Sprecher des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds betonte, dass keine Förderanträge von GM vorlägen. Auch für den Automotive Cluster der Region um Wien, in dem General Motors Powertrain Partner ist, sei nichts von einem Förderantrag bekannt.

In Österreich ist bisher nur die Übernahme von Haftungen - gesetzlich zulässig sind maximal 300 Mio. Euro - nach dem ULSG (Unternehmensliquiditätssicherungsgesetz) für GM in Aussicht gestellt worden.

Das Werk Aspern lehnte jeden Kommentar ab. Laut Einenkel plant GM, die Getriebeproduktion in Deutschland ganz einzustellen. Die Produktion vom Werk Rüsselsheim solle nach Ungarn verlagert werden, die aus Bochum nach Aspern. Damit hätte GM nur mehr zwei Getriebewerke in Europa statt vier. Europaweit seien die GM-Getriebewerke nur zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet, sagte Einenkel. (APA)

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