Rinner wird Bundesliga-Präsident

27. November 2009, 17:45
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Mehrheit der Klubs für Sturm-Chef als Nachfolger von Martin Pucher, Stimmen der Erstligisten brachten Entscheidung - Wunschkandidat von Rapid, Austria und Salzburg durchgefallen

Vösendorf - Der neue Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga wird Hans Rinner heißen. Im Rahmen einer Präsidentenkonferenz am Freitag in Vösendorf erhielt der aktuelle Vize und Präsident von Sturm Graz die Unterstützung aller zehn Erstligisten sowie von sechs Bundesligisten. Daraufhin zog tipp3-Vorstand Dietmar Hoscher, Wunschkandidat von Rapid, Austria, Salzburg und vermutlich auch Ried, seine Kandidatur zurück. Damit ist der Weg für Rinners Kür am 7. Dezember im Rahmen der Hauptversammlung frei, wo er für die kommenden vier Jahre zum Nachfolger des scheidenden Martin Pucher gewählt werden wird.

Der Steirer hatte in der rund vierstündigen Sitzung, zu der außer den Bossen von Wacker Innsbruck und Austria Lustenau sämtliche Vereinschefs - auch Frank Stronach - erschienen waren, neben den Erstligisten (je drei Stimmen in der Hauptversammlung) auch Mattersburg, Wiener Neustadt, Austria Kärnten, LASK, Kapfenberg und Sturm auf seiner Seite. Die Bundesligisten verfügen über jeweils fünf Stimmen. Formell betrachtet bedeutet dies, dass die Mehrheit der Präsidentenkonferenz dem Wahlausschuss eine Wahl-Empfehlung gab, dieser wird nun einen Wahlvorschlag erarbeiten.

Rinner zeigte sich nach seiner Designierung zufrieden. "Ich werde mich bemühen, das Bestmögliche für die Vereine und die Entwicklung des österreichischen Fußballs zu tun." Der 46-Jährige sieht sich als "Person der Mitte. Ich kenne die Strukturen der Bundesliga, ich kenne die Sorgen der kleinen und der großen Vereine."

Über seine Pläne ließ der Grazer zunächst nicht allzu viel verlauten. "Jetzt ist es einmal wichtig, dass man sich zusammensetzt, alles überprüft und in Strukturgesprächen das erarbeitet, was sinnvoll ist. Wir werden die Liga nach wirtschaftlichen Kriterien führen und dabei versuchen, die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Es macht keinen Sinn, sich einen Meistertitel zu erkaufen. Für mich besteht die Bundesliga aus 20, nicht aus 10 Vereinen."

Rinner, beruflich als Geschäftsführer der Frigopol Kälteanlagenbau GmbH aktiv, sitzt seit Juni 2008 als Vize-Präsident im Bundesliga-Aufsichtsrat, wo er mit Pucher nach eigenen Angaben sehr gut zusammenarbeitete. Der Mattersburg-Obmann habe bereits im Jänner ihm gegenüber anklingen lassen, er solle sich auf eine große Aufgabe vorbereiten. "Aber damals habe ich das noch nicht so ernst genommen." Vor rund zehn Tagen sei er vom definitiven Rückzug Puchers informiert worden, danach habe es einen mehrtägigen Nachdenkprozess gegeben. "So ein Amt übernimmt man nicht im Vorbeigehen, da gibt es nicht nur Sonnenseiten."

Dass mit Hoscher gleichzeitig auch der Vorstand von Liga-Sponsor tipp3 den Kürzeren zog, wollte Rinner nicht überbewerten, einen Rückzug des Geldgebers erwartet er nicht. "Tipp3 sponsert ja nicht aus Sympathiegründen, sondern aus marketingtechnische Gründen."

Enttäuschte Wiener

Rapid-Präsident Rudolf Edlinger wollte seine Enttäuschung über das Sitzungsergebnis nicht verhehlen. "Wir werden Rinner nicht wählen", gab er bekannt. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es völlig falsch ist, wenn der Bundesliga-Präsident gleichzeitig Vereinspräsident ist", so Edlinger.

Auch Austria-Manager und Wahlausschuss-Vorsitzender Markus Kraetschmer war mit dem Ergebnis nicht glücklich, betonte aber, sein Verein wolle sich künftig so in die Liga einbringen, dass die angestrebten Reformen auch durchgeführt würden. (APA/red)

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