Stammzellentherapie bei schlecht heilenden Wunden

29. November 2009, 09:24
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Hauttransplantate werden aus Spender-Stammzellen gezüchtet - Stammzellen aus Eigenfettgewebe sind Hoffnungsträger bei schweren Verbrennungen

Salzburg - In vielen Bereichen der Medizin wird große Hoffnung in das Potenzial von Stammzellen gesetzt, durch Regeneration von zerstörtem Gewebe heilend zu wirken. In der Dermatologie zeichnen sich jetzt einige Einsatzgebiete wie schwer heilende Wunden oder Verbrennungen ab, die schon bald von diesbezüglichen Innovationen profitieren könnten, berichten Hautspezialisten bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie, die derzeit in Salzburg stattfindet.

„Gezüchtete" Haut für die Wundheilung

Stammzellen kommen bereits für die Behandlung schwer heilender Wunden zum Einsatz. Bei kaum kontrollierbaren, tiefen Wunden, wie sie etwa beim „diabetischen Fuß" oder bei schwerer Venenschwäche typisch sind, ist eine Eigenhaut-Transplantation eine Behandlungsoption. „Wenn das aber nicht möglich ist, zum Beispiel wenn bei älteren Patienten die Einheilung der Transplantate schlecht ist, können Spender-Stammzellen helfen", berichtet Kongress-Sekretär Johann Bauer, MBA (Universitätsklinik für Dermatologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg). „Aus Spender-Hautzellen lassen sich auf einer Matrix Hautstücke ‚züchten‘, die den Betroffenen in diesem Fall eingesetzt werden." Neuerdings wird daran gearbeitet, diese Methode noch sicherer zu machen - durch eine spezielle Vorbehandlung der Hauttransplantate sinkt das Risiko, dass sie vom Empfänger abgestoßen werden. Diese Methoden sind zwar bereits verfügbar, werden aber noch nicht breit angeboten - nicht zuletzt, weil sie derzeit von den Patienten selbst bezahlt werden müssen.

Stammzellen aus eigenem Fettgewebe

„Bei großflächigen Verbrennungen entwickelt sich die Stammzelltherapie zu einem großen Hoffnungsträger", sagt Bauer. Ein Problem bei dieser Art der Verletzung: Die so genannten epidermalen Stammzellen, also Stammzellen der Oberhaut, sind auch der Verbrennung zum Opfer gefallen, die Unterstützung für die Hautregeneration muss daher aus anderer Quelle kommen. Gelingen kann das mit Stammzellen aus Fettgewebe, so Bauer: „Man kann Zellen aus dem eigenen Fettgewebe des Patienten isolieren, und dann diese in so genannte pluripotente Stammzellen zurück verwandeln. Diese pluripotenten Stammzellen können in unterschiedlichste Zelltypen differenzieren. Daraus könnte man dann neues Oberhaut-Gewebe gewinnen, das die verbrannte Haut ersetzt." In groß angelegten Forschungsprogrammen, an denen auch die Salzburger Experten um Bauer beteiligt sind, soll dieses Verfahren weiterentwickelt und für die breite Anwendung einsatzfähig gemacht werden.

Mit Bindegewebe gegen die Hautalterung

Nicht nur Fett-, auch Bindegewebezellen lassen sich inzwischen erfolgreich so „umprogrammieren", dass sie wieder wie embryonale Stammzellen in jede Richtung entwicklungsfähig sind - ohne die ethischen Probleme derselben. Eine weitere Verwendung finden Bindegewebszellen (Fibroblasten) in der Behandlung der Erscheinungen der alternden Haut. In einigen europäischen Ländern wie Großbritannien, noch nicht aber in Österreich, sind aus Bindegewebszellen entwickelte Fibroblastenkulturen erhältlich, die in Falten gespritzt werden, um Konturveränderung der alternden Haut zu korrigieren.

Kombinierte Gen- und Stammzellentherapie für Schmetterlingskinder

Hoffnung bringt die Stammzellentherapie, kombiniert mit Gentherapie, auch für Patienten mit der bisher unheilbaren Hauterkrankung Epidermolysis bullosa (EB), wegen der Verletzlichkeit der Haut auch „Schmetterlingskinder" genannt. Im EB-Haus in Salzburg werden alle Betroffenen aus ganz Österreich und angrenzenden Ländern behandelt. Im Rahmen eines EU-finanzierten grenzüberschreitenden Forschungsprojektes wird diese Methode jetzt geprüft und weiter entwickelt, wobei die Salzburger Wissenschaftler mit italienischen Forschern zusammen arbeiten. „Bei EB-Patient/-innen sind Abschnitte in jenem Gen, das für die Produktion bestimmter Proteine zuständig ist, krankhaft verändert", erklärt Bauer. „Mit Hilfe der Genschere-Technologie werden solche veränderten Genabschnitte entfernt und durch gesunde Abschnitte ersetzt." In Verbindung mit einer speziellen Stammzellen-Transplantationstechnik aus Italien wird das für eine Gruppe von EB-Patient/-innen eine Heilungsperspektive bedeuten. (red)

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