Wissenschaftsrat stützt Rektoren-Forderung nach Finanzierungspfad

27. November 2009, 13:02
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"Umfassendes Konzept" für Hochschulentwicklung vorgelegt - Empfehlungen für Zulassungsregelungen, Ausbau von FH-Plätzen und Konzentration von Unis auf Master-Studien

Wien - Nach den Rektoren hat am Freitag auch der Wissenschaftsrat einen verbindlichen Hochschulfinanzierungspfad gefordert, in dem die Regierung einen Zeitplan für die angekündigte Anhebung des Hochschulbudgets auf zwei Prozent des BIP festlegen soll. Solange dieser fehle, handle es sich nur um "ungedeckte Schecks für die Zukunft", so Rats-Mitglied Walter Berka bei der Präsentation eines "umfassenden Konzepts" für die Entwicklung des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftssystems.

Angesichts der chronischen Unterfinanzierung der Unis ist der Finanzierungspfad eine zentrale Forderung des Rates in dem 250-seitigen Band "Universität Österreich 2025 - Analysen und Empfehlungen zur Entwicklung des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftssystems". Nach Berechnungen des Wissenschaftsrates würde dies jährlich 200 Mio. Euro zusätzlich für den tertiären Bildungsbereich bedeuten. "Es geht jedoch nicht nur um Geld, sondern auch um entscheidende hochschulpolitische Weichenstellungen", betonte Ratsvorsitzender Jürgen Mittelstraß.

Rat fordert allgemeine Zugangsregeln

Der Rat wiederholt etwa seine Forderung nach allgemeinen Zulassungsregeln, bestehend aus mehreren Elementen wie Bewerbungsschreiben, Prüfungen, Interviews, einem Orientierungssemester und vor allem intensiver Studienberatung vor und zu Beginn des Studiums. "Eine autonome Uni sollte in der Lage sein, eine verantwortungsvolle Entscheidung für die Auswahl seiner Studenten zu treffen", forderte Berka. Für Massenfächer, in denen qualitätsvolle Lehre nicht mehr garantiert werden könne, plädiert der Rat auch für quantitative Beschränkungen.

Der Rat empfiehlt keineswegs eine Einschränkung der Studienplätze, ein Ausbau solle aber vor allem an den FH stattfinden. Diese sollen - wie auch Unis, Pädagogischen Hochschulen (PH) und Privatunis - wieder ein schärferes Profil bekommen. Der Rat kann sich etwa vorstellen, dass die FH sich künftig auf die berufsnahen Bachelor-Studien, die Unis hingegen auf die forschungsnahen Master- und PhD-Studien konzentrieren. Die PH müssten in ihrem Hochschulcharakter nach Vorbild der FH gestärkt werden und stärker mit den Unis kooperieren, sagte Mittelstraß. Eine Verlagerung der gesamten Lehrerausbildung, auch für höher bildende Schulen, sollte jedoch nicht erfolgen.

Empfehlungen "konzeptionelle Antwort" auf Studentenproteste

Weitere Empfehlungen des Rats: Studienplatzbewirtschaftung für die Unis, Investitionen in die Infrastruktur der Hochschulen, Stärkung der Grundlagenforschung, die Rückführung kleiner außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in die Unis, die Fortentwicklung der Universitätsautonomie und die Entwicklung einer klaren Internationalisierungsstrategie. Auch die Bereinigung des Fächerangebots den Universitäten ist aus Sicht des Rats wünschenswert, allerdings dürfe diese "nicht vom Staat verordnet werden", so Berka.

Der Rat sieht seine Empfehlungen auch als "konzeptionelle Antwort" auf die Studentenproteste der letzten Wochen: Man könne die aktuellen politischen Diskussionen "nur dann nutzen, wenn man weiß, wohin die Reise geht", betonte Berka. Die von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) beim Hochschuldialog eingerichteten Arbeitsgruppen würden daran zu messen sein, ob sie auf die Problemanalyse des Wissenschaftsrates Antworten finden.(APA)

 

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