US-Konzerne versichern Haustiere von Mitarbeitern

27. November 2009, 13:06
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Service soll Angestellte ohne großen Kostenaufwand anlocken und halten

Washington/Mainz - Im Wettlauf um den besten Arbeitgeber bieten immer mehr US-Firmen ihren Mitarbeitern an, Haustiere kostenlos mitzuversichern. Im Bedarfsfall wird dann sowohl für Operationen wie auch Chemotherapien gesorgt - und das in einer Nation, in der 50 Millionen Menschen überhaupt keine Krankenversicherung haben. Der skurrile Trend, der in den USA ein Milliardengeschäft ist, hat dazu geführt, dass bereits drei Mio. Tiere krankenversichert sind. Große Konzerne wie Google, Home Depot, Disney, AOL und eBay sehen darin positive Effekte für die Mitarbeiter.

Polizzen häufig für die Katz

"In Deutschland sind Versicherungen für Tiere eher untypisch. Bisher werden Polizzen dieser Art nur von einer Handvoll von Anbietern offeriert und sind in den meisten Fällen unseriös", meint Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dem Branchenkenner nach gebe es bei einigen Hunderassen angeborene Krankheiten, die häufig vorkommen und gegen die es sich nicht lohnt, zu versichern. "Stattdessen sollten mehr Leute vernünftig versichert werden."

Milliardengeschäft durch hohe Kosten

Internetriese Google streicht die Vorteile des Konzepts hervor. Haustiere seien ein "wertvoller Teil des Privatlebens". Zudem sei ein funktionierendes Privatleben gut für die Atmosphäre am Arbeitsplatz, verdeutlicht Google-Sprecher Jordan Newman. Einem Spiegel-Bericht nach geht es hierbei um beträchtliche Summen. Weil medizinische Behandlungen in den USA allgemein sehr teuer sind und Tiere durch viele medizinische Fortschritte länger leben, können 1.000 bis 2.000 Dollar für eine Operation anfallen. Chemo- und Strahlentherapie kosten 10.000 Dollar.

Dass sich die Geschäftsidee lohnt, zeigt sich in den aktuellen Zahlen des US-Branchenführers Vet Pet Insurance, der inzwischen schon rund 2.000 Firmen als Kunden betreut. Diese wiederum bieten ihren Angestellten Versicherungen als eine erweiterte Arbeitgeberleistung an. Allein im Geschäftsjahr 2008 wurden Vet Pet Insurance 30.000 Fälle von Krebs bei Haustieren gemeldet. Die Kosten für veterinärmedizinische Behandlungen sind in den vergangenen zehn Jahren bereits um 84 Prozent angewachsen - Tendenz steigend.

Mitarbeiter kostengünstig halten und anwerben

Einen Hauptvorteil von Polizzen für Hunde und Katzen als Teil des Vergütungspakets sehen US-Marktforscher darin, dass diese ein relativ günstiger Weg sind, um die Angestellten bei Laune zu halten. Auch könnten ohne großen Kostenaufwand neue Mitarbeiter angeworben werden. Die Kosten für eine Polizze belaufen sich je nach Alter und Gesundheitszustand des Tieres auf 40 bis 100 Dollar im Monat. Die Versicherer erhoffen sich weitere Umsätze, denn in den USA werden derzeit rund 72 Millionen Hunde und 82 Millionen Katzen als Haustiere gehalten. (pte)

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    Unternehmen werben mit Spezialservice

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