Rosacea häufig fehldiagnostiziert

28. November 2009, 09:53
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„Rote Äderchen" sind mehr als ein kosmetisches Problem, auch Risiken für das Augenlicht - Neuer Behandlungsansatz mit niedrig dosierten Antibiotika

Wien/Salzburg - Rote Äderchen und rote Flecken im Gesicht, die nicht mehr verschwinden, und von entzündlichen Pusteln begleitet sein können: Dieses verbreitete Leiden mit dem Fachbegriff Rosacea, das vor allem Frauen in und nach der Menopause betrifft, aber auch Männer, sei unterdiagnostiziert und unterbehandelt, warnen Hautärzt/-innen bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) in Salzburg.

Sehvermögen kann gefährdet sein

Rund 400.000 Menschen - bis zu 80 Prozent Frauen - sind von der häufig unterschätzten Erkrankung betroffen, die oft lange nicht diagnostiziert oder als „Altersakne" einer ganz falschen Ursache zugeordnet wird. Das kann riskant sein - denn Rosacea ist bei weitem nicht nur ein kosmetisches Problem, warnt ÖGDV-Präsidentin Beatrix Volc-Platzer (Vorstand, Dermatologische Abteilung, SMZ Ost, Wien). „Die sehr sichtbaren Hautveränderungen im Gesicht können für Betroffene eine starke psychische Belastung darstellen, das schränkt die Lebensqualität enorm ein", sagt die Expertin. „Es kann aber auch zur Augenbeteiligung kommen, etwa zu chronischen Lidentzündungen oder auch Hornhautschädigungen, die bis zur Erblindung gehen können. Solche Augenkomplikationen kommen nicht nur bei schwerer Rosacea vor, sondern auch bei leichteren Formen." Schon deshalb gelte auch hier: Rechtzeitig zum Hautarzt gehen, denn je früher die Behandlung einsetzt, desto eher lassen sich Folgen vermeiden und desto besser ist der therapeutische Erfolg. Volc-Platzer: „Mit Rosacea sollten Betroffene immer einen Hautarzt konsultieren. Sie bildet sich nie von selbst zurück, sondern wird immer schlimmer."

Hauptursache: Unkontrolliertes Gefäßwachstum

Die Ursachen der Rosacea sind nicht endgültig geklärt, Entzündungsprozesse nicht infektiöser Natur spielen eine entscheidende Rolle. Eine mögliche wichtige Rolle könnten Störungen in der Mikrozirkulation der Gefäße spielen, erklärt Volc-Platzer: „Möglicherweise kommt es durch einen Überfluss an Wachstumsfaktor VEGF zur unkontrollierten Gefäßneubildung."

Den dadurch verursachten Hauterscheinungen lässt sich nur bedingt vorbeugen, weiß die Expertin: „Bei einer Rosacea-Neigung ist es jedenfalls sinnvoll, das Gesicht nicht der Sonne auszusetzen, Alkohol zu meiden, die Haut mit Feuchtigkeits-Cremes gut zu pflegen, und Cortison-Salben zu vermeiden, da letztere das Problem noch fördern."

Neuer Therapieansatz: Niedrig dosierte Antibiotika

Diskutiert werden beim Hautärzte-Kongress in Salzburg vor allem Neuerungen in der Behandlung der Rosacea. „Neue Studien zeigen, dass wir sehr erfolgreich Antibiotika einsetzen können, die aber deutlich niedriger dosiert werden können als bei der Behandlung einer Infektion. Wir brauchen also nicht die volle antibiotische Dosis", sagt  Volc-Platzer. „Das ist ein Paradigmenwechsel in der Rosacea-Therapie. Die niedrig dosierten Tetrazykline haben den großen Vorteil hoher Wirksamkeit bei sehr guter Verträglichkeit." Das ist nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil lokale Therapien bei Rosacea nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. (red)

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