Das große Händewaschen

27. November 2009, 09:45
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So weit, so österreichisch - Von Fritz Neumann

Rudolf Edlinger hat dem Fußball manch guten Dienst erwiesen. Dass Rapid auch wirtschaftlich gut dasteht, ist wohl vor allem Verdienst des Klubchefs und ehemaligen Finanzministers. Sein jüngster Vorschlag zur Nachfolge des Bundesliga-Präsidenten Martin Pucher, die heute von den Präsidenten der Bundesliga-Klubs geregelt werden soll, sorgt freilich für Irritationen.

Edlinger nominierte Dietmar Hoscher. Dieser hatte ihm einst als Sekretär im Ministerium gedient, woraufhin er für die SPÖ jahrelang im Bundes- und dann im Nationalrat saß. So weit, so österreichisch. Nach den Wahlen 2006 schied Hoscher aus dem Parlament aus, schon Jahre zuvor war er ins Management der Casinos Austria und in den Vorstand der Österreichischen Sportwetten Gesellschaft gegangen. Jetzt ist er Chef von tipp3, dem Hauptsponsor der Bundesliga, und nun droht es selbst den österreichischen Rahmen des gegenseitigen Händewaschens zu sprengen.

(Nur) jene, die ihn pushen, sehen keine Unvereinbarkeit. Es sind die größten Klubs im Lande: Rapid, Austria, Red Bull Salzburg. Hanebüchen argumentieren sie, Hoscher werde sich in Sponsorverhandlungen vertreten lassen. Wie schief darf die Optik sein? Der aus dem Amt scheidende Pucher hat den Liga-Präsidentenjob nicht schlecht hingekriegt, freilich ist er Obmann des SV Mattersburg. Hoschers Herausforderer Hans Rinner? Nebenbei Präsident von Sturm Graz.

Hoscher sagt, er würde im Fall seiner Kür seine Funktion im Rapid-Kuratorium ruhend stellen. Hochrufe! (DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2009)

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