Chemotherapie-induzierte Neutropenien häufig

27. November 2009, 09:50
6 Postings

30 Prozent der befragten Patienten erlitten im Laufe ihrer Chemotherapie eine Infektion - Prophylaxe sehr unterschiedlich gehandhabt

Brüssel - Neutropenie bedeutet, dass die Zahl weisser Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) im Körper, die vor Infektionen schützen, zu niedrig ist. Sie ist eine häufige und potentiell gefährliche Nebenwirkung einiger Chemotherapeutika und führt zu einem erhöhten Infektionsrisiko, dass bei Krebspatienten manchmal lebensbedrohlich werden kann. Eine schwere Neutropenie und febrile Neutropenie erfordern in Fällen mit hohem Risiko eine Krankenhauseinweisung. So stirbt einer von zehn mit einer febrilen Neutropenie ins Krankenhaus aufgenommenen Patienten an deren Folgen.

Eine weitere Folge der febrilen Neutropenie ist die eventuelle Verzögerung der geplanten Chemotherapie, sodass der Patient nicht die volle Dosierung zum richtigen Zeitpunkt erhält, was sich wiederum negativ auf das Ergebnis der Chemotherapie insgesamt auswirken kann. Krankenhausaufenthalte führen auch zu einer Unterbrechung des Alltags des Patienten und nicht nur der geplanten Chemotherapie, die in der Regel ambulant erfolgt. Darauf weist die European Oncology Nursing Society (EONS) in einer Aussendung hin.

Von der European Oncology Nursing Society (EONS) wurde eine Untersuchung in neun europäischen Ländern durchgeführt, um die derzeitige Einschätzung und Problematisierung von Infektionen im Rahmen der Krebsbehandlung, insbesondere im Zusammenhang mit einer Neutropenie bzw. febrilen Neutropenie (FN), zu erkunden.Eines der Ergebnisse: "Trotz der allgemeinen Verfügbarkeit prophylaktischer Behandlungsmöglichkeiten, ist eine beträchtliche Zahl von Patienten weiterhin von der Neutropenie und ihren Konsequenzen betroffen", so Kay Leonard, EONS-Vorstandsmitglied.

Zusätzliche Gefahr

Das Risiko einer Neutropenie-bedingten Infektion stellt für den Patienten, der sich einer Chemotherapie unterzieht, zu einem Zeitpunkt, wo die emotionale und physische Energie eigentlich ganz auf die Bekämpfung der Hauptkrankheit ausgerichtet sein sollte, eine zusätzliche Gefahr dar. Den Ergebnissen der neuen, europaweiten Umfrageuntersuchung bei Patienten und Krankenpflegern zufolge, erlitten nahezu ein Drittel aller in der Untersuchung befragten Patienten im Laufe ihrer Chemotherapie eine Infektion, von denen wiederum 46 Prozent auf eine Neutropenie bzw. febrilen Neutropenie zurückzuführen waren.

Die Untersuchung mit dem Titel "Preventing Febrile Neutropenia - Staying on Track with Chemotherapy", ergab, dass 37 Prozent der Patienten mit einer Infektion in der Folge ihre Chemotherapie aufschieben beziehungsweise abändern mussten. Neun von zehn befragten Krankenpfleger stimmten zu, dass die Vorbeugung gegen die febrile Neutropenie und Infektionen sehr wichtig ist, um bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, ein erfolgreiches Verhandlungsergebnis zu erreichen.

Beeinflussung der Chemotherapie

Auf die Frage, welche Faktoren die Chemotherapie beeinflussen können, gaben fast alle teilnehmenden Krankenpfleger (96 Prozent) an, dass eine Neutropenie-bedingte Infektion die Behandlung verzögern kann und dass die Unterbrechung der Chemotherapie sich auf die Gesamtwirksamkeit der Behandlung auswirken kann (63 Prozent). Sechs von zehn Krankenpflegern waren der Auffassung, dass die Chancen für eine erfolgreiche Krebsbehandlung durch die Notwendigkeit, die Chemotherapie aufgrund einer febrilen Neutropenie- oder Neutropenie-Infektion zu ändern, beeinträchtigt sein können und über die Hälfte der befragten Krankenpfleger stimmten zu, dass eine Verringerung der Dosis sich auf das Behandlungsergebnis negativ auswirken könne, selbst wenn die Dosierung anschliessend wieder erhöht wird.

Präventionsmöglichkeiten

Es gibt auch die Möglichkeit, Chemotherapie-bedingten Infektionen vorzubeugen und die Entwicklung so genannter proaktiver Therapien zur Unterstützung der Behandlung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie, hat beträchtliche Fortschritte gemacht. 39 Prozent der befragten Krankenpfleger bestätigen, dass die prophylaktische Gabe von Medikamenten eine febrile Neutropenie bei chemotherapeutisch behandelten Patienten verhindern kann.

Doch drückten die Krankenpfleger ihre Sorge darüber aus, dass die Patienten die Behandlung nicht immer befolgen. Darüber hinaus gaben die Patienten in der Umfrage an, dass die Versorgung mit vorbeugenden Infektionsbehandlungen in Europa stark variiert.

Fehlende Kommunikation

Eine signifikante Zahl der an der Untersuchung teilnehmenden Patienten schien das Risiko einer febrilen Neutropenie allerdings nicht wirklich zu verstehen. Umgekehrt, gaben fast zwei Drittel der befragten Krankenpflegeran, dass sie die Behandlung von Fieber während und nach der Therapie mit ihren Patienten besprechen. Dies lässt vermuten, dass die Kommunikation zwischen Patient und medizinischem Personal verbessert werden sollte.

Die Untersuchung mit dem Titel "Preventing Febrile Neutropenia - Staying on Track with Chemotherapy" wurde von PatientView in Zusammenarbeit mit der European Oncology Nursing Society (EONS) durchgeführt und wird vom Pharmaunternehmen Amgen finanziell unterstützt. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Chemotherapien müssen aufgrund von Infektionen oft verschoben werden

Share if you care.