HIV-positiv und in der Jobwelt "abgestempelt"

27. November 2009, 09:17
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Laut Verein PulsHIV werden HIV-Positive auf dem Arbeitsamt stigmatisiert, das AMS sieht sich dagegen als Hilfesteller

Wien - 1996 bekam sie die Diagnose: HIV positiv. Im Schock habe sie auch das Arbeitsamt informiert, erzählt Wiltrut Stefanek. "Das würde ich heute nicht mehr machen." Damals habe man ihr gesagt: "Kommen Sie wieder, wenn Sie gesund sind." Sie kam nicht wieder, arbeitet heute im Betrieb ihrer Mutter.

Stefanek geht offen mit ihrer HIV-Infektion um, gründete den Selbsthilfeverein PulsHIV. Dort erzählten ihr "über die Jahre mehrere Betroffene", sie erlebten am Arbeitsamt, dass man von ihrer Diagnose wisse - woher, sei unklar. Zahlen, wie oft das passiere, hat Stefanek keine. Die Aids Hilfe Wien spricht von "Einzelfällen".

Wenn ein Betroffener von selbst die HIV-Infektion anspreche, bringe das auch immer wieder Probleme. Stefanek: "Manchmal wird ihnen dann nahegelegt, in einer geschützten Werkstätte zu arbeiten oder in Pension zugehen", erzählt sie. "Das ist ein Abstempeln."

Information werde festgehalten

AMS-Sprecherin Beate Sprenger sagt, beim Arbeitsmarktservice werde "natürlich niemand" gefragt, ob er HIV positiv sei. Wenn jemand das von selbst erzähle, werde das aber festgehalten, was gesetzlich gedeckt sei. "Wenn das AMS davon weiß, hat es uns in allen Fällen der Betroffene erzählt", versichert Sprenger. Wenn er das mitteile, "dann wohl, weil es mit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit verbunden ist". Nur wenn jemand bereits sehr krank sei und das AMS nicht aufsuchen könne, überprüfe der Amtsarzt die Arbeitsfähigkeit und leite entsprechende Informationen weiter.

Dass Klienten mit HIV etwa das Arbeiten in geschützten Werkstätten nahegelegt werde, sei als Hilfestellung gedacht. "Das wird bestimmt nur in einer bestimmten Problemstellung, wenn jemand zum Beispiel Langzeitarbeitsloser ist, vorgeschlagen", sagt Sprenger.

In Österreich dürfen Arbeitgeber nicht nach einer HIV-Infektion fragen. Mit dem Virus Infizierte dürfen in jeder Branche (mit Ausnahme der Prostitution) arbeiten. Sehr wohl zu melden ist vonseiten des Arbeitnehmers aber, wenn bei ihm die Krankheit Aids ausgebrochen ist und mit einer Beeinträchtigung der Arbeitsleistung zu rechnen ist.

In Österreich sind laut Aids Hilfe Wien rund 12.000 bis 15.000 Menschen HIV positiv, seit 1983 brach in 2749 Fällen die Krankheit Aids aus, 1502 Personen starben daran. Die Zahl der Neuinfektionen dürfte, im Gegensatz zum weltweiten Rückgang von 17 Prozent, in Österreich von 505 Fällen im Jahr 2008 heuer auf 523 Fälle (297 davon in Wien) steigen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2009)

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    HIV positiv bedeutet meist ein Verschwinden vom ersten Arbeitsmarkt

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