Streubomben enthalten bis zu 200 Einzelbomben

2. April 2003, 11:32
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Viele der "Coladosen mit Pep" enden als Blindgänger

Bagdad - Bei ihren Angriffen auf die zentralirakische Stadt Hillah haben die USA auch Streubomben eingesetzt. Mitarbeiter des Roten Kreuzes zeigten sich nach einem Besuch in der Stadt entsetzt: Die jüngsten Bombardements hätten dutzende von "zerschmetterten Körpern" hinterlassen. Auch für die Nachwelt bergen Streubomben wegen der großen Rate an Blindgängern große Gefahren. Nach Einschätzung von Peter Le Sueur von der Nichtregierungsorganisation MAPA enden rund zehn Prozent der knallgelben, dosenförmigen Bomben als Blindgänger - sie werden im Militärjargon verharmlosend auch als "Coladosen mit Pep" bezeichnet.

Streubomben (englisch: Cluster Bomb Units - CBU) sind in einer Bombe verpackte Bomben. Eine CBU wird zunächst als Behälter aus einem Flugzeug abgeworfen. In einer gewissen Höhe öffnet sich dieser und setzt nach Angaben des britischen Fachmagazins "Jane's" mehr als 200 kleinere Bomben frei. Dieses so genannte Submaterial kann aus Splitterbomben - die sich in Unmengen kleinerer Splitter zerteilen - oder aus Minen bestehen. Je nach "Füllung" der CBU-Behälter sind die Bomben gegen Menschen oder Material gerichtet. Weil sich die Sprengsätze bereits in der Luft verteilen, wirkt die Bombe in einem großen Radius. Eine Fläche von rund 150 mal 350 Meter kann regelrecht leer gesprengt werden.

Die Bomben haben einen äußerst sensiblen Zündmechanismus, wie Le Sueur erklärt. Deshalb könnten Blindgänger schon bei der geringsten Berührung detonieren. Eine Streubombe könne 50 Jahre lang unentdeckt im Wüstensand liegen, "bevor ein Bauer oder ein Kind darauf stößt". Durch die grelle Farbe wirkten die Sprengkörper sehr anziehend auf spielende Kinder.

Besonders gefährlich werden die Sprengdosen nach den Worten Le Sueurs durch die sechs Millimeter dicke, diamantgeschliffene Stahlhülle. Bei einer Explosion zerspringt die Ummantelung in hunderte messerscharfe Splitter, die dann mit der Geschwindigkeit von Gewehrkugeln auf Menschen treffen können. "Diese Bomben können einen Menschen noch in hundert Meter Entfernung töten", beschreibt der MAPA-Experte die Wirkung. Clusterbomben wurden im Vietnam-Krieg ebenso eingesetzt wie im Kosovo 1999 und im Kampf gegen die afghanische Taliban-Miliz 2001. (APA)

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