Gefeuerter US-Reporter: USA wollen keine "glaubwürdigen" Kriegsberichte

1. April 2003, 13:23
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Pulitzer-Preisträger Peter Arnett gab irakischem Fernsehen Interview: Meine Karriere ist an der Wahrheit zerbrochen

London/Washington - Der vom US-Fernsehsender NBC wegen eines Interviews im irakischen Fernsehen gefeuerte Starreporter Peter Arnett (68) hat der Regierung in Washington vorgeworfen, keine "glaubwürdige" Berichterstattung über den Irak-Krieg zu wollen. In einem Artikel für den in London erscheinenden "Daily Mirror" (Dienstag-Ausgabe) schrieb der Pulitzer-Preisträger: "Meine erfolgreiche Karriere fiel über Nacht in Schutt und Asche, weil ich die Wahrheit gesagt habe." Arnett ist jetzt Korrespondent des "Mirror", der eindeutig Position gegen den Irak-Krieg bezogen hat.

Arnett war der erste westliche Journalist, der Osama bin Laden interviewte

Arnett, ein gebürtiger Neuseeländer, hatte 1966 als damaliger AP-Reporter in Vietnam den begehrten Pulitzer-Preis erhalten. Mit seiner Berichterstattung über den Golfkrieg 1991 für CNN wurde er weltweit bekannt. Arnett war der erste westliche Journalist, der den Terror-Drahtzieher Osama bin Laden interviewte. Er habe sich den "Respekt" des Regimes in Bagdad verdient, obwohl er mit ihm nicht übereinstimme, erklärte Arnett im "Mirror" seine Akkreditierung als einer der wenigen Fernsehjournalisten in Bagdad. Er hatte vor knapp zwei Wochen aus der irakischen Hauptstadt die ersten Raketeneinschläge und damit den Kriegsbeginn gemeldet.

Arnett: "Ich bin nicht gegen den Krieg"

"Ich bin nicht gegen den Krieg. Ich habe das gesagt, was wir alle über diesen Krieg wussten. Damit habe ich einen Feuersturm ausgelöst. Das tut mir leid", schrieb Arnett im "Mirror". Dafür, dass er die Wahrheit berichtet habe, werde er sich aber nicht entschuldigen.

Arnett hatte bis Montag aus Bagdad für NBC und das Magazin "National Geographic" berichtet. Beide Medien trennten sich von ihm nach einem umstrittenen Auftritt im irakischen Fernsehen. Im Gespräch mit einem in irakischer Uniform auftretenden Interviewer hatte Arnett gesagt, die US-Strategie sei wegen der überraschend starken Gegenwehr der Iraker fehlgeschlagen.

Kehrtwende NBCs nach Kritik von außen

NBC hatte den Auftritt zunächst verteidigt. Nach scharfer Kritik anderer Journalisten in den USA machte der Sender am Montag eine Kehrtwende. "Es war falsch, dass Arnett dem irakischen Staatsfernsehen - besonders in Kriegszeiten - ein Interview gegeben hat", teilte der Sender mit. "Und es war falsch, dass er seine persönlichen Beobachtungen und Meinungen zur Sprache brachte. Deshalb wird Peter Arnett nicht mehr für NBC und MSNBC berichten." (APA/dpa)

Arnett im "Daily Mirror"

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    Arnett Arnett sagte im irakischen Fernsehen, die US-Strategie sei wegen der überraschend starken Gegenwehr der Iraker fehlgeschlagen.

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