Del Potro biegt Federer und verabschiedet Murray

26. November 2009, 23:16
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Argentinier ringt Federer nieder und sichert sich zweiten Halbfinalplatz neben dem Weltranglistenersten - Murray trotz zweier Erfolge out

London - Vermutlich wird die Herren-Profi-Organisation ATP es wieder so verkaufen, dass durch die Diskussionen das Produkt ja spannend gemacht wird, doch was sich bei der inoffiziellen "ATP-WM" in London in der Nacht auf Freitag abgespielt hat, ist einem Saisonabschlussturnier eigentlich nicht würdig. Erst 25 Minuten, nachdem Juan Martin del Potro einen 6:2,6:7(5),6:3-Sieg über Roger Federer gefeiert hatte, stand nach internen Rechnereien fest, dass der Argentinier und nicht Lokalmatador Andy Murray das Halbfinale erreicht hat.

Beim ATP-World-Tour-Finale in der O2-Arena werden in zwei Round-Robin-Gruppen die zwei Gruppenbesten ermittelt, die dann "Überkreuz" (also der jeweilige Gruppen-Erste gegen den Zweiten der anderen) das Halbfinale bestreiten. So weit, so einfach. Doch im Tennis entscheiden bei Punktegleichheit zunächst das Satzverhältnis und dann die Games. Und genau dazu kam es in den letzten Spielen von Pool A.

Ein Game für Del Potro

Ein Game mehr gab nach dem Dreisatz-Sieg über Federer den Ausschlag zugunsten von Del Potro, doch zunächst ließ die ATP den Argentinier lange im Ungewissen, weil die Verantwortlichen in London selbst erst den Rechenschieber auspacken mussten. "Ich freue mich, aber es war schon merkwürdig", sagte Del Potro, nachdem er endlich Gewissheit hatte. Murray wunderte sich zuvor via Twitter: "Weiß irgendjemand, was hier los ist? Ich glaube, dass ich raus bin, aber die Regeln sind nicht so klar ausgedrückt."

Federer rettete der gerade noch gewonnene zweite Satz, am Ende wurde der Schweizer Gruppensieger mit 44:40 Games vor Del Potro (45:43) und Murray (44:43). Zuvor war aus der anderen Vierer-Gruppe schon der Schwede Robin Söderling weitergekommen. Titelverteidiger Novak Djokovic und Vorjahresfinalist Nikolaj Dawydenko ermittelten am Freitag den letzten Halbfinalisten, Rafael Nadal ist bereits ausgeschieden.

Revanche verpasst

Federer lag im Tiebreak bei Aufschlag Del Potro 4:5 zurück und ballte die Faust nach dem Satzausgleich. Eine Zwei-Satz-Niederlage hätte wie im Vorjahr das Ende nach der Vorrunde bedeutet. Der Spielgewinn zum 1:1 im dritten Durchgang bescherte dann das Weiterkommen - doch selbst der Meister wusste es nicht. "Sonst wäre ich auf den Boden gesunken und hätte gefeiert - oder?", fragte Federer mit einem Schmunzeln und durfte sich freuen, obwohl er die Revanche für das verlorene US-Open-Finale gegen Del Potro verpasst hatte.

Der lange Argentinier wartete zusammen mit tausenden ebenfalls ratlosen Zuschauern in der Halle und vertrieb sich die Zeit bei einem Schwätzchen mit seinem Landsmann, dem bei Manchester City spielenden Fußball-Profi Carlos Tevez. "Wir haben es uns selbst ausgerechnet und es gewusst", meinte der ebenfalls im Publikum anwesende Ronnie Leitgeb, der ja mit Schützling Dawydenko in London ist. Schließlich durfte der 21-jährige Del Potro jubeln: Der Weltranglisten-Fünfte steht ebenso wie der eigentlich als Ersatzmann nominierte Söderling gleich bei seiner ersten ATP-WM in der Runde der letzten Vier. "Es ist ein unglaublicher Moment. Ich habe nichts zu verlieren", sagte der total geschaffte Del Potro. (APA/Si)

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    Del Potro schlägt Federer. Beide stehen damit im Halbfinale.

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    Murray ist out.

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