Talsohle am US-Immo­markt nicht erreicht

26. November 2009, 19:22
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Die Wirtschaft in den USA wächst zwar wieder, der Immobilienmarkt, der für die Krise mitverantwortlich war, schwächelt aber weiter

Todd hat sein Haus der oberen Mittelklasse in San Antonio, Texas, vor fünf Monaten zum Verkauf ausgeschrieben - mit einem Preisaufschlag von nur fünf Prozent. Aber bisher hat er kein einziges Angebot bekommen. "Ich bin schockiert", sagt er. "Die Wirtschaftslage ist hier angeblich vergleichsweise gut, und meine ersten beiden Häuser an der Ostküste hatten sich vor Jahren in Rekordzeit verkauft."

Die US-Wirtschaft wächst seit dem dritten Quartal nach einem Jahr Rezession wieder, aber die Signale am Häuser-Markt sind trotz gefallener Preise, niedriger Hypothekenzinsen und einer gesetzlichen Steuervergünstigung weiterhin gemischt. So stiegen etwa laut neuester Daten vom Mittwoch die Verkäufe von Einfamilienhäusern im Oktober überraschend an, allerdings war dafür allein der Süden der USA verantwortlich. In anderen Regionen fielen Verkaufszahlen. Der Medianhauspreis in den USA sank im Oktober um 0,5 Prozent auf 212.200 Dollar.

Preise fallen weiter

Experten erwarten, dass die Preise weiter fallen und dass erst 2010, manche sagen vielleicht sogar erst 2011, die Talsohle erreicht wird. "Der Markt wird eher noch schwächer, bevor er wieder anzieht", sagt Elaine Worzala, Immo-Expertin an der Clemson University. "Immobilientrends hängen vom Arbeitsmarkt ab, und bis sich der beruhigt, wird sich wenig grundlegend verbessern."

Eine populäre Steuergutschrift für Erstkäufer von bis zu 8000 Dollar hat über den Sommer vor allem Verkäufe im unteren und mittleren Preissegment stimuliert und Hoffnung auf einen Umschwung geweckt. Sie wurde bis Mitte 2010 verlängert und auf Leute mit Einkommen bis zu 125.000 Dollar im Jahr erweitert. Um dem Immo-Markt eine weitere Vitaminspritze zu geben, dürfen nun auch Hausbesitzer, die bereits fünf Jahre lang in ihrer Residenz leben, eine Gutschrift von 6500 Dollar in Anspruch nehmen.

Zehn Milliarden Kosten

Kritiker beklagen die geschätzten Kosten von zehn Milliarden Dollar für diese Maßnahmen. Befürworter argumentieren aber, das Programm könnte mehr Durchschnittsbürgern unter die Arme greifen. "Viele Bekannte, deren Kinder das Haus verlassen haben, wollen sich kleinere und billigere Häuser nehmen", sagt Fran, die in Missouri lebt. "Die meisten Amerikaner können es sich derzeit nicht leisten, einfach umzuziehen, um ihren Lebensstatus zu verbessern."

Khashy Eyn, Präsident des New Yorker Immo-Brokers Platinum Properties, sagt, dass die Ausweitung der Steuergutschrift zu einer "viel schnelleren" Markterholung beitragen könnte. Aber viele Experten warnen, dass die Beihilfen den wahren Zustand des Häusersektors verzerren. "Wenn der Markt zu natürlichem Angebot und Nachfrage zurückkehrt, werden wir den wahren Status herausfinden", sagt etwa Miller-Tabak-Marktstratege Peter Boockvar.

Unterschiedliche Trends

Bei Hauspreisen und Zwangsvollstreckungen sind laut Experten unterschiedliche Trends zu beobachten. Der weithin beachtete S&P/Case-Shiller Index, der Hauspreise in 20 Städten misst, wies für September ein Wachstum von 0,3 Prozent aus. Das bedeutet vier Aufwärtsmonate in Folge. Allerdings fallen Hauspreise weiterhin gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Was Zwangsvollstreckungen betrifft, gab es laut Online-Datenbank RealtyTrac im dritten Quartal für manche Subprime-Krisen-Städte Zeichen einer Erholung. Dafür haben sich Zwangsversteigerungen in neuen Städten ausgeweitet. In Reno, Nevada, stieg die Zahl um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. RealtyTrac-Chef James Saccacio erklärt das so: "Hohe Arbeitslosigkeit und Risikohypotheken, die exotischer sind als Subprime-Kredite, treiben die Zwangsvollstreckungs-Flut in mehr Städte."(Georg Szalai aus New York, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.11.2009)

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    Viele Menschen in den USA können ihre Raten nicht mehr zahlen und müssen ihre Häuser verkaufen. Einen Interessenten zu finden ist aber oft nicht ganz leicht.

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