Bronner: "Größte Umwälzung"

26. November 2009, 19:00
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Mediengipfel über Zukunft von Qualitätsjournalismus

Wien - Hat Qualitätsjournalismus in den USA, in Europa und Österreich Zukunft? Unter diesem Motto diskutieren seit Donnerstagnachmittag Experten beim Mediengipfel in Lech. "Wir erleben gerade die größte Umwälzung, die es im Medienwesen je gegeben hat", eröffnete STANDARD-Herausgeber Oscar Bronner den zweitägigen Kongress. Mit bisherigen Geschäftsmodellen seien Qualitätszeitungen heute nicht mehr zu finanzieren. Dafür verantwortlich seien die weltweite Wirtschaftskrise, die "zum extremsten und schnellsten Einbruch bei den Werbegeldern" geführt habe, den die Branche je erlebt habe, ebenso das Internet. 

Aber trotz Auflagenschwundes in europäischen und US-Märkten ist Bronner davon überzeugt, "dass der Zeitungskonsum nicht auf null sinken wird" und "dass auch dort, wo das Internet bereits existiert, es den Bedarf nach der guten altmodischen Tageszeitung gibt." Immerhin habe die Zeitung gegenüber dem Internet etliche Vorzüge: Sie sei "immer griffbereit", trage "durch Entschleunigung zur Reflexion bei" und biete "ein vertrautes und - im Fall der Qualitätszeitung - ein vertrauenswürdiges Team von Journalisten, das einmal am Tag aus dem Überangebot an Informationen eine je nach Blatttyp für den Leser relevante Auswahl herausfiltert, einordnet und analysiert." 

Alle Mediengattungen fänden nach den Umstellungsschwierigkeiten "zu einer Koexistenz", prognostiziert Bronner. Gegenwärtige Tendenzen, den Journalistenkollektivvertrag zu unterlaufen, sieht er in "teuren Privilegien" begründet. Sparen allein werde nicht genügen: "Die Verleger werden sich trauen müssen, die Zeitungen teurer zu machen", sagt Bronner.

Über "Kapital, Kollaps, Kapitulation", leitet STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid eine Diskussion (Video). Unter den Gästen der Tagung sind Moser-Holding-Chef Hermann Petz, ORF-Infochef Elmar Oberhauser und STANDARD-Brüsselkorrespondent Thomas Mayer. (red)

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