Zwischen ihnen stimmt die Chemie, sie schreien nie

26. November 2009, 18:44
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Wider Erwarten können Josef Ostermayer, besonnener Staatssekretär, und Maria Fekter, resolute Innenministerin, gut miteinander

Wien - Von ihren bisher rund 35 Zusammenkünften ist kein einziger Eklat überliefert, obwohl die beiden vom Temperament her unterschiedlicher gar nicht sein könnten: Jeden Montag ab Punkt 17 Uhr verhandelt das rot-schwarze Regierungspärchen Josef Ostermayer und Maria Fekter im Hertelzimmer des Bundeskanzleramtes gemeinsam mit den Klubobleuten und den Kabinettchefs die Tagesordnungspunkte für den Ministerrat - deren Beschluss dann einen Tag darauf in der Regel Werner Faymann (SPÖ) und Josef Pröll (ÖVP) verkünden. An die 60 Gesetze waren das übrigens allein beim letzten Mal.

Null raubeinig

Die Zusammenarbeit hinter den Kulissen läuft zwischen dem besonnenen, stets lächelnden Medienstaatssekretär, der als Kanzler-Vertrauter gilt, und der resoluten Innenministerin, die schon einmal laut werden kann, ihrem Parteichef aber ebenfalls stets hochloyal zur Seite steht, überraschenderweise wie geschmiert. Worüber sich Ostermayer und Fekter nicht einigen können, das wird nämlich zurückgestellt - und eben zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal durchbesprochen. Das Arbeitscredo, dem sich das koalitionäre Duo verschrieben hat, lautet schlicht und einfach: "Wir räumen Steine aus dem Weg."

"Auch wenn die Innenministerin in der Öffentlichkeit oft einen härteren Ton draufhat: Bei unseren Treffen ist Maria Fekter null raubeinig", erzählt Ostermayer und versichert: "Da wird nie geschrien. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass sie jemals mit mir schreit - oder auch umgekehrt." Vielmehr schätzt der 48-jährige Burgenländer an seiner schwarzen Regierungskollegin aus Oberösterreich "die Geradlinigkeit. Wäre sie ein Mann, könnt' man sagen: 'Fekter ist ein grader Michl.'"

Unlängst, beim nächtelangen Ringen um die Homo-Partnerschaft habe sich das wieder gezeigt. Da hat Fekter dem Sozialdemokraten einfach erklärt, bei einer Zeremonie vor dem Standesamt könnten Teile ihrer Partei "sicher nicht mit" - was die SPÖ-Seite schlussendlich auch zähneknirschend akzeptiert hat.

Umgekehrt lobt die 53-jährige Wirtschaftsbündlerin an ihrem roten Gegenüber "die enorme Wissensbreite" und "die freundliche Art" . Die Chemie stimme, "weil wir lösungsorientiert unterwegs sind" .

Kennengelernt haben sich die beiden studierten Juristen schon vor eineinhalb Jahrzehnten - und zwar in einem parlamentarischen Ausschuss, als Ostermayer, damals für den gemeinnützigen Wohnbau Wiens zuständig, und Fekter, zu dieser Zeit als Bautenstaatssekretärin tätig, diverse Wohn- und Mietrechtsnovellen ausarbeiteten.

Elefantengedächtnis

Und seitdem können sie miteinander, obwohl die nunmehrigen Regierungszwillinge auch privat einiges trennt. Kunstliebhaber Ostermayer, einst als Sohn eines Maurers und einer Hausfrau in Schattendorf aufgewachsen, eilt heute selbst bei knappen Dienstreisen zwischendurch noch schnell in die Museen vor Ort. Fekter wiederum, als Tochter von Kieswerk-Unternehmern in Attnang-Puchheim großgeworden, frönt in ihrer kargen Freizeit am liebsten dem Golfspiel im Grünen.

Gibt es also gar nichts, womit der eine den anderen mal nervt? Dem Vernehmen nach soll zumindest Fekter ab und zu über "das Elefantengedächtnis" von Ostermayer stöhnen, weil sich der SPÖler nahezu alles merke, wo sich die ÖVP jemals durchgesetzt hat - und das setze er bei Gelegenheit auch strategisch geschickt ein. Fekter selbst sagt zu alledem allerdings nur: "Ostermayer kann sehr hartnäckig sein - und er kennt die Schwächen seines Gegenübers leider zu genau. Deshalb muss man bei ihm schon recht aufpassen." (Nina Weißensteiner/ DER STANDARD, 27.11.2009)

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