"Dieses Jahr war sicher keine einfache Phase für uns zwei"

26. November 2009, 18:40
14 Postings

"Wir waren früher unbefangener" , sagt Kanzler Werner Faymann über sein Verhältnis zu Josef Pröll

Wien - "Früher" , sagt Werner Faymann ohne Umschweife, "war es besser. Wir waren unbefangener." Früher, das war die Zeit, als die beiden noch Infrastrukturminister und Umweltminister waren, als sie die Regierungskoordinatoren waren und für ihre Chefs die heißen Kastanien aus dem Feuer holten - ohne selbst Verantwortung zu tragen und die Entscheidungen treffen zu müssen. Das war die Zeit, als sie fast Freunde waren. "Heute" , sagt Faymann, "ist es schwieriger geworden." Es wird taktiert und abgewogen, und ja, heute ist mit Josef Pröll eine Rivalität da, die es früher so nicht gab.

Faymann erinnert sich daran, wie sie offen alles aussprechen konnten, wie sie die Probleme auf den Tisch legten und gerade heraus sagten: "Das wird nicht gehen, aber versuch mich doch zu überzeugen." Als es hieß: "Bis hierhin und nicht weiter" , und wie es dann doch weiterging, wenn sie darüber redeten. Und wenn die zwei sich etwas ausgemacht hatten, dann konnten sie gemeinsam fast immer auch die anderen überzeugen, den Alfred Gusenbauer, SPÖ-Chef und Bundeskanzler, den Wilhelm Molterer, ÖVP-Chef und Vizekanzler. Heute sind Faymann und Pröll selbst die Chefs, sind Kanzler und Vizekanzler, regieren die Republik. Die Leichtigkeit, so scheint es, ist von ihnen abgefallen.

"Dieses Jahr war sicher keine einfache Phase für uns zwei" , sagt Pröll. Aber die Gesprächsbasis sei durchaus vorhanden. "Erst jetzt habe ich wieder lange mit Werner Faymann telefoniert" , beschwichtigt er, "wir rufen uns an, wenn der Hut brennt oder wenn etwas gemeinsam zu erledigen ist." Faymanns Nein zu Wilhelm Molterer als EU-Kommissar habe geschmerzt, das gibt Pröll offen zu. "Das ist so, das will ich auch gar nicht verhehlen. Aber es ist nicht so, dass aus dieser Verstimmung heraus das Koalitionsklima nachhaltig gefährdet wäre. Man muss einfach akzeptieren, dass Kompromisse zu schließen sind. In Sachfragen und manchmal leider auch in Personalfragen. Das tut weh in einzelnen Entscheidungen."

Natürlich sind beide als Politiker erfahren genug, dass die Gesprächsbasis halten wird. Aber aus den beiden Kumpels sind Konkurrenten geworden, für beide geht es um viel, politisch gesehen geht es um alles: Wer die Nummer eins ist - bleibt oder wird.

Der Druck auf Faymann wiegt sicher schwerer. Über dem einstigen Sonnyboy stehen dunkle Wolken. Fünfmal hat die SPÖ runtergeschrieben, seit Faymann Kanzler ist: In Kärnten, Salzburg, Vorarlberg, Oberösterreich und bei der EU-Wahl. Da nimmt auch das Image des Chefs Schaden. Besonders, wenn es den anderen weniger hart trifft. Tendenziell kann man sagen: Der Boden unter Prölls Füßen ist fester, jener unter Faymann rutschiger geworden.

Enttäuschungen gab es auf beiden Seiten. Die nachträgliche Demontage von Molterer hat das Vertrauensverhältnis nicht gerade gefestigt. Faymann konnte in der eigenen Partei punkten, zur ÖVP hin war aber eine klare Linie gezogen: Das fassten viele Schwarze als Kriegserklärung auf.

In der SPÖ machte sich in dieser Zeit auch Ernüchterung breit: Von Kuscheln keine Spur. Während Pröll oft den jovialen und augenzwinkernden Vizekanzler gibt, fährt seine Mannschaft Kampflinie: Vom Pressesprecher angefangen, der den Themen den richtigen "Spin" zu geben versucht, über den ÖVP-Klub, dessen Obmann Karlheinz Kopf ausrückt, wenn es in den koalitionären Verhandlungen Nein zu sagen gilt, bis hin zum offensiven und angriffigen Generalsekretariat der Partei, gegen das die rote Parteizentrale wirkt wie ein Mädchenpensionat.

Ob die beiden zur alten Lockerheit zurückfinden könnten? "Was glauben Sie?" , stellt Faymann die Gegenfrage. Er scheint es selbst nicht zu wissen. Und Pröll sagt: "Die Gesprächsbasis ist intakt. Wir sind Profis."(Michael Völker/ DER STANDARD, 27.11.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Werner Faymann und Josef Präll sind aufgerückt, jetzt müssen sie selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen. Ihrem persönlichen Verhältnis hat das nicht nur gut getan.

Share if you care.