Iran beschlagnahmt Ebadis Friedensnobelpreis

26. November 2009, 16:45
12 Postings

Bankschließfach der Menschenrechtsanwältin und Frauenrechtlerin ausgeräumt - Ebadi bezichtigt iranische Regierung nach Dementi der Lüge

Oslo/Teheran/Wien - Die iranischen Behörden haben den Friedensnobelpreis - die Medaille und das Diplom - der Anwältin und Menschenrechtskämpferin Shirin Ebadi beschlagnahmt, die 2003 diese Auszeichnung erhielt. Das bestätigte Norwegens Außenminister Jonas Gahr Störe am Donnerstag in Oslo. Der Außenminister des Landes, in dem die Friedensnobelpreise vergeben werden, zeigte sich "schockiert". Störe bestellte den diplomatischen Vertreter Teherans ins Außenministerium und protestierte im Namen seiner Regierung. Diesem drückte Störe auch seine Besorgnis über das Wohlergeben Ebadis und ihrer Angehörigen aus.

Ebadi hatte den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte im Iran zuerkannt bekommen. Die Anwältin, sich besonders auf Fälle der nach iranischem Gesetz benachteiligten Frauen und auch für Kinder einsetzte, die mit dem Gesetz in Konflikt kamen, war mehrfach in Haft und musste auch als Friedensnobelpreisträgerin immer wieder mit Schikanen der Behörden bis hin zur Zwangsschließung ihres Büros kämpfen.

"Wir sind schockiert"

Wie die norwegische Regierung am Donnerstag mitteilte, wurde im Iran ein Bankschließfach Ebadis völlig ausgeräumt, in dem sie unter anderem ihre Medaille und die Urkunde für den Nobelpreis aufbewahrt hatte. Der norwegische Außenminister sagte in Oslo: "Es geschieht zum ersten Mal, dass ein Staat den Friedensnobelpreis beschlagnahmt. Wir sind schockiert und haben nicht das geringste Verständnis dafür." Neben der Medaille und dem Diplom hatte Ebadi 2003 in Oslo auch die Dotierung des Nobelpreises von zehn Millionen Kronen (knapp eine Mio. Euro) in Empfang genommen.

Regierung will nur Bankkonto blockiert haben

Vergangene Woche hatte das iranische Außenministerium dementiert, die Medaille und die dazugehörige Urkunde konfisziert zu haben, räumte aber ein, dass die Regierung ein Bankkonto Ebadis blockiert habe, auf dem das Preisgeld von umgerechnet rund 870.000 Euro liegt. Die Anwältin habe sich geweigert, Steuern für den Betrag zu zahlen.

In einem Interview mit der BBC erklärte Ebadi am Freitag, dass nach den iranischem Bestimmungen NobelpreisträgerInnen keine Steuern auf das Preisgeld zahlen müssen. Sie betonte, dass das Dementi der Regierung eine Lüge sei. "Sie sagen nicht die Wahrheit", sagte Ebadi am Freitag dem britischen Rundfunksender BBC. "Sie haben mein Bankkonto gesperrt und meine Pensionszahlungen gestoppt", erklärte die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003. Dasselbe sei mit dem Konto und der Pension ihres Ehemannes geschehen. Ebadi bestätigte auch, dass das Bankschließfach ihres Mannes ausgeräumt worden sei, in dem sich ihr Nobelpreis und die Medaille der Ehrenlegion befunden hätten.

Festnahmen und Schikanen

Im Iran waren in den vergangenen Monaten - in der Zeit nach den umstrittenen Präsidentenwahlen, in denen der Hardliner Mahmoud Ahmadeinejad im Amt bestätigt wurde - mehrere MitstreiterInnen Ebadis sowie ihr Ehemann festgenommen und schikaniert worden. Dies zeige, dass der Meinungsfreiheit im Iran hart zugesetzt werde, erklärte das Ministerium in Oslo.

2004 hatte die Nobelpreisträgerin anlässlich eines Österreich-Aufenthalts den denkwürdigen Tag geschildert, an dem ihr der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. "Die Bevölkerung hat mich sehr herzlich empfangen. Alle Straßen und der Flughafen waren voller Menschen. Doch die Regierung versuchte, den Preis zu ignorieren." Zwei Tage nach der Preisverleihung brachte der staatliche Rundfunk die Nachricht, die anderswo wie eine mediale Bombe eingeschlagen hätte, mitten in der Nacht ein einziges Mal: um 23:30 Uhr, mitten im Nachrichtenblock nach einer Umweltmeldung. "Die regierungsnahen Medien haben mich sehr viel und sehr oft beschimpft. Die wenigen unabhängigen freuten sich - leider wurden sie zwei Monate später verboten", sagte Ebadi damals. (APA/Ag.)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ebadi war mehrfach in Haft und musste auch als Friedensnobelpreisträgerin immer wieder mit Schikanen der Behörden bis hin zur Zwangsschließung ihres Büros kämpfen. Nun wurde ihr gar der Friedensnobelpreis entwendet.

Share if you care.