"Gleiche Fehler wie 2005"

26. November 2009, 16:27
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Interwetten-Boss Fabian ortet gewisse Mängel in der Prävention - Illegale Wettbörsen und asiatischer Wettmarkt als Wurzel des Übels

Wien - Wolfgang Fabian, mit 19 Jahren Buchmacher-Erfahrung ausgestatteter Gründer des heimischen Sportwettenanbieters Interwetten.com, verfolgt die Diskussionen um den jüngsten Fußball-Wettskandal "äußerst irritiert". Nach Ansicht von Fabian würden aktuell "die gleichen Fehler wie 2005" beim Skandal um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer gemacht.

Fabian hat laut eigenen Angaben im Fall Hoyzer "als einer der Erstinformanten" intensiv mit der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) zusammengearbeitet und im Zuge dessen Hinweise auf sogenannte, vorwiegend in Südosteuropa tätige Wettkartelle geliefert. Von der Vorgangsweise der DFL war Fabian dann enttäuscht.

"Leider beschränkte sich die Aufklärungsarbeit darauf, mit Hoyzer einen Sündenbock zu präsentieren, und man verabsäumte es, die wahren Hintergründe aufzuklären. Mit dem aktuellen Wettskandal bekommen wir jetzt die Rechnung präsentiert", meinte Fabian. Auch aktuell würden "viele unterschiedliche Gruppe den Wettskandal zur Wahrung ihrer Interessen instrumentalisieren", dadurch verliere man sich in inhaltslosen Statements.

Als Wurzel des Übels ortet Fabian sogenannte Wettbörsen, die es Privatpersonen ohne Lizenz oder anderen Kontrollmechanismen ermöglichen, Wetten anzubieten. "Das hat in den letzten Jahren zu einem eklatanten Anstieg von Wettmanipulationen geführt. Wettbörsen sind der perfekte Marktplatz für Manipulationen."

Aber auch der unkontrollierbare asiatische Wettmarkt sei eine große Gefahrenquelle. "Dort können teilweise ohne Limits und bei illegalen Anbietern auf Sportevents in Europa Wetten platziert werden", weiß Fabian, der realistisch gesehen anmerkte: "Vollständig lösen wird man dieses Problem nie können, vor allem solange man sich nicht ernsthaft damit befasst."

Dass nun in der Öffentlichkeit vielerorts etwa die Live-Wetten angeprangert werden, sei eine taktische Maßnahme von "staatlichen Monopolisten". "Aus dem einfachen Grund, da sie diese selbst nicht anbieten." Live-Wetten wie jene auf den ersten Eckball seien "Entertainment" und aufgrund des geringen Einsatzlimits für Manipulationen nicht geeignet.

Das vielzitierte Frühwarnsystem sei ein gut gemeinter Ansatz, jedoch vielfach noch unausgereift. Wichtig sei, dass die Wettkunden - so wie bei Online-Wettanbietern üblich - eindeutig identifiziert würden und eine anonyme Wettannahme, wie in Wettbüros üblich, unmöglich werde.

Auch die Politik sei gefordert. "In vielen Ländern wird, unter anderem zum Schutz der staatlichen Monopole, die Schaffung eines den heutigen Marktrealitäten entsprechenden gesetzlichen Regulativs verhindert. Dies fördert die Entstehung von Schwarzmärkten und ist somit ein Nährboden für Wettmanipulationen", betonte Fabian. (APA)

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