Millionen für Vorstände mit Bonds auf Firmen-Kredit

27. November 2009, 12:42
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Bericht: Jeder der fünf Top-Manager der Gruppe kann zwei Millionen Euro lukrieren - Zehetner: Haben kein Anlegergeld für Bonds verwendet

Wien - Die fünf Vorstandsmitglieder von Immofinanz und Immoeast können in den nächsten Jahren jeweils 2 Mio. Euro für von ihnen erworbene Wandelanleihen der Gruppe lukrieren, wofür ihnen die Immofinanz sogar einen Kredit gewährt hat. Dies berichtet das Wirtschaftsmagazin "Format" in seiner neuen Ausgabe und beruft sich dabei auf interne Unterlagen der börsenotierten Gruppe mit dem Titel "Projekt Gold", die als Prospektentwurf zu der in Planung befindlichen Immofinanz-Kapitalerhöhung gedacht gewesen sein soll.

Konkret geht es um ein Bonusprogramm, das den drei jetzigen Immofinanz- und fünf Immoeast-Vorständen (drei von ihnen in Doppelfunktion) Millionenkredite für private Immofinanz-Wertpapierkäufe im Rahmen eines sogenannten "Long Term Incentive Program" ermöglicht hat.

Pro Kopf und Nase durften die Vorstände von der Immofinanz zurückgekaufte Convertible Bonds (CB) im Wert von bis zu 1,049 Mio. Euro kaufen. Das Limit wurde komplett ausgenutzt. "Insgesamt kauften alle Management Board Members Wandelanleihen im Wert von 5,245 Mio. Euro", heißt es in dem internen Papier, das vom "Format" für die entscheidenden Passagen auch in Faksimile wiedergegeben wird.

"Bombengeschäft"

Die Finanzierung für das Wertpapiergeschäft erfolgte demzufolge nicht über eine Bank, sondern über die Immofinanz. Der Aufsichtsrat genehmigte entsprechende Millionendarlehen "zu Marktkonditionen" und akzeptierte dafür sogar die erworbenen Wandelanleihen als Pfand. "Dem Vorstand wurden Darlehen für Wertpapierkäufe gewährt", bestätigte Immofinanz-Aufsichtsratschef Herbert Kofler dem Magazin: "Mit dem Bonifikationsprogramm würdigen wir die harte Arbeit des Vorstands im Sinne der Aktionäre." An der Regelung sei nichts verwerflich.

Für die Immofinanz-Topmanager sei der Anleihen-Deal schon jetzt ein Bombengeschäft, so der Bericht: Sie erwarben die Convertibles im Mai 2009, als der Kurs bei etwa 35 Euro lag. Mittlerweile notieren die Papiere bei über 70 Euro. Die von jedem Vorstand investierte Million Euro hat sich somit bereits verdoppelt. Die beiden Bonds laufen bis 2014 bzw. 2017. Den Besitzern liefern sie bis Laufzeitende Kuponzinsen. Danach winkt noch mehr: Die Anleihen werden zum Nominale, also 100 Euro, getilgt. "Nach Darlehensrückzahlung bliebe so für jeden Vorstand ein Gewinn von rund zwei Millionen Euro - risikolos und finanziert von den Anlegern", resümiert das "Format".

Keine eigene Liquidität

"Die Immofinanz musste keine eigene Liquidität dafür verwenden. Das ist kein Bonus, sondern ein Darlehen, das wir zurückzahlen müssen", sagte Zehetner am Donnerstagabend zu dem "Format"-Bericht über die vom Unternehmen kreditfinanzierten Convertible-Bond-Käufe durch die Vorstandsmitglieder.

Der Zinssatz des Kredits, den die Immofinanz den Vorständen zum Ankauf der Bonds im Ausmaß von bis zu 1,049 Mio. Euro pro Person gewährt hat, beträgt laut Zehetner "150 Basispunkte über Euribor": "Ich persönlich bekomme privat durchaus einen günstigeren Zinssatz."

Die fünf Management Board Mitglieder von Immofinanz und Immoeast (drei davon in Doppelfunktion) haben Wandelanleihen im Wert von zusammen 5,245 Mio. Euro erworben - müssen diese aber mindestens drei Jahre bzw. bis zum Ende des jeweiligen Vorstandsvertrags (2008-11) behalten. Die Depots seien zur Sicherheit für den Kredit verpfändet. "Und läuft ein Vertrag vorher ab, gibt es eine Call-Option des Unternehmens."

Verteidigung

Das Anreizprogramm für die Vorstände verteidigte Zehetner: "bei RHI" - wo er früher tätig war - "hat es vor Jahren ein gleiches Programm gegeben". Beschlossen worden sei es vom Immofinanz-Aufsichtsrat im Februar 2009, als noch Zehetner-Vorgänger Thomas Kleibl bei der Immofinanz war.

Mit dem Programm habe der Aufsichtsrat die Vorstände für den Zeitraum der Restrukturierung der Immofinanz-Gruppe und darüber hinaus motivieren wollen, beim Unternehmen zu bleiben. Er, Zehetner, habe damals gesagt: "Wir sistieren das Programm solange bis die Finanzierung des Unternehmens zweifelsfrei gesichert ist."

Nachdem zu Geschäftsjahrsende per 30. April 400 bis 450 Mio. Euro Liquidität zur Verfügung gestanden seien, habe die Immofinanz im Mai mit dem Anleiherückkaufprogramm begonnen. Die Bonds hätten damals mit 22 bis 25 Prozent des Nominale notiert. Als Folge der Rückkäufe seien die Kurse freilich gestiegen. Insgesamt rückgekauft habe man ein Nominale von 75 Mio. Euro von rund 900 Mio., die damals noch ausstanden.

Für den Teil, der das Incentive Programm für die Vorstände betrifft, habe die Immofinanz jedenfalls keinen Euro Liquidität beisteuern müssen, wie es nicht ohnedies mit den Bond-Rückkäufen geplant gewesen sei. Zehetner: "Das darf dem Unternehmen weder Liquidität kosten noch andere Kosten bescheren, war von Anfang an meine Linie."

Ärger

Besonders ärgert Zehetner, dass die im Magazinbericht genannten Informationen über das Incentive Programm aus einem in Vorbereitung befindlichen Kapitalerhöhungsprospekt nach außen gedrungen sind. Insgesamt ging das Papier freilich an mehr als dreißig Adressaten, doch unterlag es noch strikter Geheimhaltung. Der Immofinanz-Chef ist optimistisch, dass die undichte Stelle gefunden werden kann: "Wir erwägen eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel."

Kurzfristig abgeblasen und auf nächstes Jahr verschoben habe man die Immofinanz-Kapitalerhöhung am Dienstagabend dieser Woche, nachdem aus Gesprächen mit Investoren klar geworden sei, dass diese eine solche Maßnahme erst nach einer Fusion der Immoeast mit der Immofinanz sehen wollen. (APA)

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