Brandsteidl: Standesdünkel der AHS-Lehrer bremst Wiener Mittelschule

26. November 2009, 12:27
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Nur ein Antrag aus Wien für kommendes Schuljahr - Stadtschulratspräsidentin macht Ausbau von Interesse der AHS abhängig

Wien - Nicht mangelnde Attraktivität, sondern der "Standesdünkel" der AHS-Lehrer ist aus Sicht von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) der Grund dafür, dass Wien nur einen neuen Standort für den Schulversuch "Neue Mittelschule" (NMS) beim Unterrichtsministerium beantragt hat. Neue "Wiener Mittelschulen" (WMS), die Wiener Version der NMS, gebe es nur "Hand in Hand mit AHS". Und für das kommende Jahr habe sich eben nur ein Gymnasium für den Schulversuch WMS angemeldet, in dessen Rahmen es mit einer Kooperativen Mittelschule (KMS, eine Wiener Sonderform der Hauptschule) zusammenarbeiten wird.

"Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wollen wir nicht nur das Türtaferl austauschen", so Brandsteidl am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Das geringe Interesse von Gymnasien an der WMS begründet sie damit, dass "die AHS-Lehrer meinen, dass dadurch ihre Existenz gefährdet ist". Andreas Ehlers, Vorsitzender der Wiener Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, äußerte die Vermutung, dass die AHS "möglicherweise mitgehen werden", wenn die Nachfrage das Angebot übersteige. Den Eltern sei allerdings eine schrittweise und qualitätsvolle Ausweitung der WMS ohnehin lieber.

Rund 60 zusätzliche Standorte fürs kommende Jahr

Wien sei das einzige Bundesland, das ein vollwertiges Konzept für seine Version der NMS entwickelt habe, und dieses gehe weit über das hinaus, was anderswo angeboten werde, betonte Stadtschulrats-Vizepräsident Walter Strobl (ÖVP). "Andere Bundesländer haben bloß die KMS abgekupfert." In Wien sei die Qualität der WMS wichtiger als ein rascher Ausbau, es gehe um einen Überzeugungsprozess. Von flächendeckenden Angeboten wie in Vorarlberg "erwarte ich mir überhaupt nichts", so Strobl.

Insgesamt haben für das kommende Schuljahr 143 zusätzliche Standorte die Teilnahme an der NMS beantragt. Aufgrund der gesetzlichen Höchstgrenze von bundesweit zehn Prozent aller Pflichtschulen für Schulversuche können nur rund 60 Standorte zum Zug kommen, der Rest muss abgewiesen werden. (APA)

 

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