Bösendorfer spielt höhere Verluste ein

27. November 2009, 14:42
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Der Wiener Klavierbauer bangt um Arbeitsplätze, der Absatz ist weiter rückläufig

Wien - Der Klavierbauer Bösendorfer rutscht heuer noch tiefer in die roten Zahlen. Das abgelaufene Geschäftsjahr hatte dem Wiener Traditionsunternehmen bereits einen Verlust von gut 3,5 Millionen Euro gebracht. Das neue endet im März: Bösendorfer rechnet mit einem Minus von rund 4,5 Millionen Euro, erfuhr der Standard. Die Verkaufszahlen sind rückläufig, eine Erholung des weltweit stark eingebrochenen Marktes ist nicht in Sicht.

Die Ziele, die Yamaha Bösendorfer als neuer Eigentümer vor zwei Jahren gesteckt hatte, sind bei weitem nicht erreicht. Gut 500 Klaviere wollte man jährlich verkaufen. Zumindest 400 braucht es, um mit insgesamt 170 Mitarbeitern rentabel arbeiten zu können. Alles in allem sollen heuer gerade einmal an die 200 verkauft worden sein.

Die Japaner versuchen seit einiger Zeit, den Vertrieb verstärkt selber in die Hand zu nehmen. Mittelfristig könnte er gänzlich von Yamaha gesteuert werden, heißt es intern. Österreich verliere damit seine Bedeutung für den Verkauf.

Nerven liegen blank

Bei den Mitarbeitern des Unternehmens liegen die Nerven blank. Sie fühlen sich vom Informationsfluss abgeschnitten, "als Spielball einer für sie intransparenten Strategie" , so ihr Tenor. Am Donnerstag Nachmittag beraumte Yamaha eilig eine Sitzung ein, zu der der im Konzern für die Musiksparte verantwortliche Vorstand Hiroo Okabe eigens anreiste. Wie es mit Bösendorfer nun weitergeht, darüber gab es bis Redaktionsschluss keine Auskunft. Die Belegschaft rechnet aber mit einem deutlichen Abbau von Arbeitsplätzen. Kündigungen gab es bisher nämlich keine.

Mit Monatsende läuft die Kurzarbeit für hundert Mitarbeiter in Wiener Neustadt aus. Eine Verlängerung soll bisher nicht beantragt worden sein. Dass gleich die gesamte Fertigung aus Österreich abgezogen wird, erscheint vielen weniger plausibel. Zumal derzeit am Standort in Wiener Neustadt investiert wird. Bösendorfer gibt seinen Stammsitz in der Wiener Graf-Starhemberg-Gasse auf und zieht nach Niederösterreich. Nur der Stadtsalon im Musikverein bleibt.

Mutter unter Druck

Yamaha steht selbst unter enormen Druck. Die Gewinne der Musiksparte brachen zuletzt drastisch ein, in England und Taiwan wurden Klavierwerke geschlossen.

Bösendorfer gehört den Japanern nach einem unglücklichen Intermezzo der Bawag seit 2007. Im abgelaufenen Geschäftsjahr mussten sie für den Betrieb knapp 19 Millionen Euro wertberichtigen. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2009)

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