Grossnigg darf Constantia sanieren

26. November 2009, 22:48
17 Postings

Im vierten Anlauf ist der Verkauf der Constantia Privatbank geglückt: Der Aufsichtsrat erteilte den Zuschlag an den Sanierer Erhard Grossnigg

Das Nachsehen hat Willi Hemetsberger.

Wien – Am Donnerstag gegen 22 Uhr war es endlich so weit. Der Aufsichtsrat der Constantia Privatbank (CPB) hat die Entscheidung getroffen, die Bank an das Konsortium rund um den Sanierer Erhard Grossnigg zu verkaufen. Das hat DER STANDARD aus Verhandlerkreisen erfahren. Grossnigg tritt mit Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner und mit dem ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Klaus Umek an, weitere Investoren sind an Bord. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll auch der Eigentümer der Donau Chemie AG, Alain de Krassny, in der Gruppe Grossnigg dabei sein.
Das Nachsehen hat somit Ex-Bank-Austria-Vorstandsmitglied Willi Hemetsberger. Er war in der letzten Runde der zweite Bieter gewesen, in dieser Runde waren die Angebote knapp nebeneinander gelegen – was die Verschiebung der Entscheidung des Aufsichtsrats von Mittwoch auf Donnerstag bewirkt hatte. Die letzte Nachverhandlungsrunde hatte Grossnigg gewonnen, der dem Vernehmen nach eine größere Runde von Investoren um sich geschart hat.

Grossnigg und sein Banker-Team übernehmen nur den gesunden Teil der ehemaligen Turnauer-Bank, die im vorigen Herbst im Zuge der Immofinanz-Turbulenzen von den fünf heimischen Großbanken aufgefangen werden musste. Die Risken und Verbindungen ins Immofinanz- und Immoeast-Reich wurden in eine „Bad Bank" ausgelagert. Zur Erinnerung: Über die Constantia Privatbank liefen unter Karl Petrikovics Geschäfte mit Immofinanz- und Immoeast-Aktien, die kräftig schief gegangen sind und mittlerweile die Justiz beschäftigen.

Das deutsche Bankhaus Hauck & Aufhäuser und die Liechtensteinische LGT-Bank waren zuletzt abgesprungen. Der Grund: Ihnen sollen die Risken trotz aller Vorsorgen der Verkäufer zu hoch gewesen sein.
Vor wenigen Jahren noch wollte Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac die Privatbank verkaufen. Damals lag der Wert bei ungefähr 700 Millionen Euro. Letzter kolportierter Kaufpreis bei der nunmehr gelungenen Verkaufsrunde: rund 50 bis 60 Millionen Euro. (von Renate Graber und Bettina Pfluger/DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2009)

Share if you care.