Kampf um die letzte Markt-Lücke

25. November 2009, 21:10
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Auf Freifläche beim Naschmarkt soll bald ein 29 Meter hoher Büroturm stehen

Auf einem unbebauten Flecken beim Naschmarkt soll ein Büroturm gebaut werden. Gegen das Projekt machen aber nicht nur Anrainer mobil, auch der Bezirkschef will inzwischen noch einmal darüber diskutieren lassen - Von Martina Stemmer

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Wien - Stadtbewohner, die sich gegen die Bebauung einer Freifläche wehren, können ganz schön hartnäckig sein - das weiß der Margaretner Bezirksvorsteher Kurt Wimmer aus eigener Erfahrung. Vor drei Jahren brachte eine Bürgerinitiative im Fünften mittels dreimonatiger Parkbesetzung ein Volksgaragenprojekt zu Fall.

Mehr Mitsprache

So weit will's Wimmer diesmal offenbar nicht kommen lassen: Nachdem eine Bürgerinitiative gegen ein neues Bürohaus an der Rechten Wienzeile mobilmachte, räumt der rote Bezirkschef den Margaretnern nun von sich aus mehr Mitsprache ein. "Ich bin für alles zu haben" , sagt Wimmer, "und hoffe, dass in Ruhe darüber geredet werden kann."

Derzeit ein Parkplatz

Der Immobilienentwickler BAI will auf das Grundstück Rechte Wienzeile 2A und 2B einen 29 Meter hohen Büroturm stellen. Somit werde nicht nur eine der letzten freien Flächen des Bezirks verbaut, sondern auch das Jugendstilensemble beim Naschmarkt zerstört, sagen die Projektgegner. Derzeit wird das Grundstück als Parkplatz genutzt. Die eine Hälfte der Fläche gehört der Stadt, die andere befindet sich in Privatbesitz. Ursprünglich sollte in der letzten Bezirksvertretungssitzung Anfang November eine Umwidmung der Fläche beschlossen werden - allerdings fand sich dafür keine Mehrheit. SP und Grüne haben inzwischen jeweils einen Antrag auf eine Bürgerversammlung gestellt.

"Wir brauchen hier nicht noch mehr Büros"

"Wir brauchen hier nicht noch mehr Büros" , sagt der grüne Bezirksvorsteher-Stellvertreter Peter Dvorksy. BAI hat inzwischen eingewilligt, sich mit Vertretern der Bürgerinitiative zusammenzusetzen. "Wir sind ein bisschen überrascht" , sagt BAI-Geschäftsführer Thomas Jakoubek, "dass unser Projekt auf so wenig positives Echo stößt." Schließlich habe man vor, ein "schönes Imageprojekt" zu realisieren. Sogar über eine Überplattung der U-Bahn zum Flohmarkt hin habe man nachgedacht. "Geld verdienen lässt sich damit nicht."

Medienzentrum

Bezirkschef Wimmer schließt eine Umwidmung des Grundstücks noch in diesem Jahr aus, gegen eine Bebauung hat er aber an sich nichts: "Der Charme des Parkplatzes ist enden wollend." Lieber eine zugeparkte Baulücke, als ein gewöhnlicher Büroturm, findet hingegen Alexander Hagner vom Architekturbüro Gaupenraub: "Das wäre ein Wahnsinn. Dann lässt man besser alles, wie es ist." Hagner hat sich ein Jahr lang mit der Fläche beschäftigt: Für seine Diplomarbeit an der Angewandten plante er 1995 ein Medienzentrum an diesem Standort - für Standard, Falter und Bazar.

Etwas bauen, von dem der Ort auch etwas hat

Warum gerade ein Verlagshaus zwischen Flohmarkt und Wienzeile? "Man muss die Chance nutzen, dort etwas zu bauen, von dem der Ort auch etwas hat - bei einem Mediengebäude wäre das zum Beispiel der Fall" , sagt Hagner. "Ein privates Gebäude in der jetzt angedachten Form verhält sich hingegen wie ein Parasit." (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 26.11.2009)

  • Die Fläche an der Wienzeile wird derzeit, hinter Plakaten versteckt, als Parkplatz genutzt. Nächstes Jahr soll sie Bauland werden
    foto: standard/privat

    Die Fläche an der Wienzeile wird derzeit, hinter Plakaten versteckt, als Parkplatz genutzt. Nächstes Jahr soll sie Bauland werden

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