Für drei Millionen Euro kommt Polanski frei

26. November 2009, 15:52
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Regisseur soll mit Fußfessel in sein Alpenchalet in Gstaad dürfen, obwohl das Risiko einer Flucht nach wie vor als hoch eingestuft wird

Trotz Auslieferungsbegehrens der USA hat ein Schweizer Gericht ein Kautionsangebot des Regisseurs Roman Polanski akzeptiert. Er soll in seinem Haus in Gstaad unter elektronischen Hausarrest gestellt werden. Ein Sprecher des Ministeriums rechnet mit einer Freilassung am Freitag. Die Kaution beträgt umgerechnet fast drei Millionen Euro.- Von Stefan Brändle

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Genf -Zürich/Paris - Freilassen, ohne entkommen zu lassen: Diese Gratwanderung versuchte gestern das Schweizer Bundesstrafgericht in Bellinzona. Es gab dem zweiten Antrag von Polanskis Anwälten recht und erlaubt dem 76-jährigen Filmemacher, die Haftzelle in Zürich mit seinem Chalet im Nobelbergort Gstaad zu tauschen. Das eidgenössische Justizministerium, das die Freilassung wegen Fluchtgefahr zurückgewiesen hatte, könnte in den nächsten Tagen noch Rekurs gegen den Entscheid einlegen; Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf ließ aber gestern durchblicken, dass sie "keine Gründe" mehr dafür sehe.

Harte Auflagen

Die Auflagen an Polanski sind nämlich hart. Der polnische Regisseur, der vor ein paar Jahren auch die französische Staatsbürgerschaft erhalten hat, wird in Gstaad unter elektronisch überwachten Hausarrest gestellt und muss seine Ausweispapiere abgeben. Zudem muss er eine Kaution von 4,5 Millionen Franken hinterlegen - das sind nahezu drei Millionen Euro. Das sei selbst für den Starregisseur ein "substanzieller Anteil" seines Vermögens, schätzt das Gericht.

"Familienvater" hat Gewicht

Als Familienvater werde er der finanziellen Absicherung seiner Angehörigen gewiss mehr Gewicht zumessen als eine jüngere Person. Mit diesem eher erstaunlichen Argument berücksichtigt das Gericht offenbar das hohe Alter des Betroffenen, um dessen Auslieferung die USA wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen im Jahre 1977 ersucht.

Fluchtgefahr wird weiterhin als hoch eingestuft

Auch der Hinweis, dass Polanski selbst die Zusicherung gegeben habe, bis zum Auslieferungsentscheid in der Schweiz zu bleiben, klingt etwas blauäugig. Die Richter verhehlen nicht, dass das Risiko einer Fluchtgefahr hoch bleibe. Sie ließen sich aber offenbar vom Angebot der Anwälte überzeugen, Polanski mit einer elektronischen Fußfessel zu versehen.

Neue Verhaftung nicht ausgeschlossen

Außerdem schließen sie eine neue Verhaftung nicht aus, falls Polanski Anstalten zur Flucht treffen sollte. Die Gstaader Residenz muss daher genau überwacht werden. Der Filmemacher war im September bei seiner Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Ein erstes Freilassungsgesuch hatte das Bundesstrafgericht im Oktober abgelehnt. Nun hatten sich seine Anwälte zerstritten, nachdem der französische Advokat Hervé Temime die neuen "Konzessionen" für die provisorische Freilassung Polanskis publik gemacht hatte.

Polanskis zweiter französische Anwalt Georges Kiejman erklärte gestern, er sei "sehr glücklich" über die Freilassung. Die US-Anwälte wollen bei einem Gerichtstermin am 10. Dezember in Los Angeles die Einstellung des Verfahrens gegen Polanski erreichen.(Stefan Brändle, DER STANDARD Printausgabe 26.11.2009)

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    In zehn Tagen könnte Roman Polanski gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen werden. Seinen Pass muss er abgeben

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