Für drei Millionen Euro kommt Polanski frei

25. November 2009, 19:21
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Trotz Auslieferungsbegehrens der USA hat ein Schweizer Gericht ein Kautionsangebot des Regisseurs akzeptiert

Roman Polanski soll in seinem Haus in Gstaad unter elektronischen Hausarrest gestellt werden.

Genf - Der Filmemacher Roman Polanski kommt wohl doch gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Das entschied am Mittwoch ein Schweizer Gericht. Wenn das Justizministerium den Entscheid nicht innerhalb von zehn Tagen anficht, kommt Polanski frei. Für seine Freiheit muss der Regisseur laut Medienberichten 4,5 Millionen Franken (drei Millionen Euro) Kaution leisten, seine Ausweise abgeben und elektronisch überwachten Hausarrest antreten.

Die Polizei hatte den Regisseur Ende September aufgrund eines US-Haftbefehls verhaftet, als er zu einem Filmfest nach Zürich reisen wollte. Dem 76-Jährigen drohte die Auslieferung an die USA, wo er vor mehr als drei Jahrzehnten eine 13-Jährige vergewaltigt haben soll.

Sex mit 13-Jähriger

1977 hatte er zugegeben, in der Villa seines Freundes Jack Nicholson ein Mädchen mit Champagner und Drogen zum Sex verführt zu haben. Während des Verfahrens war er dann aber 1978 nach Frankreich geflüchtet, dessen Staatsbürgerschaft er neben der polnischen bereits seit 1975 hatte. Die USA hatte er seither gemieden. Auch zur Oscar-Verleihung nach Hollywood im Jahr 2003, wo er für Der Pianist als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, wagte er die Einreise nicht.

Polanskis Verhaftung war nach Informationen der Los Angeles Times schon längere Zeit von der US-Justiz vorbereitet worden. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Polanski in einem Land festgenommen werden sollte, das ein Auslieferungsabkommen mit den USA abgeschlossen habe.

Fußfessel gegen Fluchtgefahr

Polanski soll jetzt in sein Haus in Gstaad dürfen. Die Richter in Bellinzona entschieden, dass die Fluchtgefahr mit der Kaution, dem elektronisch überwachten Hausarrest in seinem Chalet sowie der Abgabe der Ausweispapiere ausreichend gebannt werden kann.

Das Risiko einer Flucht sei zwar nach wie vor als hoch einzustufen. Es dürfe aber angenommen werden, dass die Aussicht auf den Verlust seines Geldes Polanski davon abhalten werde. Bei der Kaution von 4,5 Millionen Franken handle es sich um einen "substanziellen Anteil" seines Vermögens.

Weiter sei davon auszugehen, dass der 76-Jährige als verantwortungsvoller Familienvater der finanziellen Absicherung seiner Familie größere Bedeutung beimesse als eine jüngere Person. Sollte das Gericht aber Anzeichen für eine Fluchtvorbereitung feststellen, müsse der Regisseur sofort wieder ins Gefängnis zurück.

Polanski sei sich bewusst, "dass die Öffentlichkeit ihn mit Argusaugen verfolge und er sein Gesicht verlieren würde, sollte er sein Versprechen nicht halten." (red / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2009)

 

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    In zehn Tagen könnte Roman Polanski gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen werden. Seinen Pass muss er abgeben

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