Lässige Lehner und vorlaute Schweber

25. November 2009, 18:44
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Diagonalen im Dialog: Arbeiten von Roland Kollnitzin der Wiener Galerie Grita Insam

Lässig lehnt die Arbeit "Wandstück" an der Mauer, balanciert auf ihrer 2,40 Meter hohen Bambusstange ein Betonschalungsrohr. Auch dem "Kugelstück", eigentlich mehr eine klapprige Bohnenstange, ist eine gewisse Coolness nicht abzusprechen: Es trägt seine polierte Edelstahlplatte wie einen Hut. Diese Beiläufigkeit lassen Roland Kollnitz' reduzierte Skulpturen so unmittelbar und sympathisch wirken. Neueste Arbeiten zeigt er in der Galerie Grita Insam.

Dass sich Kollnitz' Arbeiten dort trotz aller Fragilität fast wie ein paar weitere Besucher ausnehmen, ist kein Zufall: Es ist das Wesenhafte, das Kollnitz an seinen Skulpturen interessiert - sie sind ihm körperliches Visavis, selbst wenn sie, wie die Kollnitz Skulptur #1 aus Aluminium und Edelstahl (2006), ganze 710 Zentimeter messen. Klassische skulpturale Themen wie jene von Stand- und Spielbein bestimmen seine zum Dialog mit sich und dem Raum komponierten Arbeiten. In Kontakt treten sie auch mit den Betrachtern, die von der beweglichen Leichtigkeit von Tertia, Seconda und der bescheidenen Ladylike geradezu zum Hingreifen - oder auch zum vorsichtigen Drumherumtänzeln - herausgefordert werden.

Dieser lustvolle Zug seiner Arbeit ist Kollnitz, 1972 in Klagenfurt geboren, ebenso wichtig wie sein ehrlicher, dem Werkstoff gerecht werdender Zugang zum Material: "Materialethik" nennt er das. Rohe und stark bearbeitete Materialien, etwa raue Holzlatten und poliertes Metall, lässt er aufeinander treffen: weniger Konfrontation als harmonisches Geplänkel. Humorvoll auch die Installation der Skulptur Accessoire: "ein Zuviel, das in der Ausstellung nicht mehr notwendig wäre", erklärt Kollnitz den Titel. Dort wo die Ausstellung endet, zieht die Arbeit mit einer auf einer rohen Holzkonstruktion befestigten Leuchtstoffröhre einen diagonale Sperrbalken. Ebenso steht sie im Dialog mit der waagrechten Diagonale der Arbeit Skulptur, die mit einem roten Stofffetzen vorlaut auf ihre sperrige Ladung verweist.

Schöngemalt wird hier nichts: "Die Materialien zeigen sich so, wie sie sind." Das Kunstlicht, das die ursprüngliche Materialfarbe beeinflusst, schätzt Kollnitz daher nicht so sehr. Kollnitz sorgt stets für Tageslicht in den Kunsträumen: Meist erledigt er das mittels Tageslicht-Leuchtstoffbalken; für das richtige Licht, putzte Kollnitz aber auch schon mal die Fensterscheiben. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2009)

 

Galerie Grita Insam, An der Hülben 3, 1010 Wien. Bis 16. 1. 

  • Diagonalen im Dialog: Arbeiten von Roland Kollnitz
    foto: galerie insam


    Diagonalen im Dialog: Arbeiten von Roland Kollnitz

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