Zieglers Welt

25. November 2009, 18:38
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Nicht an allem Übel der Welt ist der Finanzkapitalismus schuld

Der berühmte Kapitalismuskritiker Jean Ziegler war in Wien, hat sein neues Buch vorgestellt, das vom „berechtigten Hass (der Dritten Welt) auf den Westen" handelt und hielt einen umjubelten Vortrag im knallvollen Audimax. Zieglers These, dass die Welt von einigen Dutzend Großkonzernen und ihren Handlangern in der Politik beherrscht wird, hat realistische Elemente. Er verfügt auch über ein authentisch wirkendes Pathos des Mitleidens.

Ob allerdings die Kinder in somalischen Flüchtlingslagern, die er dort sterben gesehen hat, dem Finanzkapitalismus zuzurechnen sind, wenn es in der Weltgegend aber so etwas von null Kapitalismus, null Großkonzerne und null Globalisierung gibt (sondern nur feudale Warlords), ist die Frage. Und wie sieht es aus, wenn der Einfluss des Westens beseitigt wird? Wenn nicht Konzern-, sondern Staatskapitalismus herrscht?

Dann haben wir Chávez in Venezuela, Ahmadi-Nejad im Iran, die Junta in Myanmar, Kim Jong-il in Nordkorea und - von Ziegler lobend hervorgehoben - Evo Morales in Bolivien, der gerade die Opposition ausschaltet. Und die chinesischen Staatskonzerne, die gerade Afrika aufkaufen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2009)

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