Sand im Getriebe des Postenkarussels

25. November 2009, 17:47
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Beim Versuch, einen Personen­verkehr-Finanzer zu installieren, blitzten die Roten rund um Horst Pöchhacker bei der ÖVP ab

Der Weg zu (verspäteten) ÖBB-Postenbesetzungen war am Mittwoch überraschend versperrt. Beim Versuch, einen Personenverkehr-Finanzer zu installieren, blitzten die Roten rund um Horst Pöchhacker bei der ÖVP ab.

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Wien - Den ÖBB-Eigentümer- und Aufsichtsratsvertretern kommen die Vorstandskandidaten für die ÖBB-Chefetage abhanden, bevor die Ausschreibung für die Nachfolge von Peter Klugar und Gustav Poschalko auf Schiene ist. "Überrascht" und "verärgert" reagierte auf die Nennung seines Namens als Favorit für den Schleudersitz an der ÖBB-Spitze insbesondere Wolfgang Niessner, Vorstandschef des Transportriesen Gebrüder Weiss. "Ich habe ein vitales Interesse an der ÖBB als starkes, funktionierendes Verkehrsunternehmen. Aber ich habe kein Interesse an einem Job in der ÖBB" , sagte Niessner zum Standard. Er sei "glücklich bei Gebrüder Weiss" , stehe daher nicht zur Verfügung" .

Mehr Sand als Öl im Getriebe war am Mittwoch auch in den Aufsichtsratssitzungen von ÖBB-Personenverkehr und Rail Cargo Austria (RCA). In ersterer ist Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker bereits bei Tagesordnungspunkt 3 abgeblitzt. Die "schwarzen" Kapitalvertreter stimmten gegen die mit einjähriger Verspätung endlich auf der Agenda stehende Bestellung von Andreas Fuchs zum Finanzchef der Personenverkehr AG. Er sollte dort ÖBB-Holding-Finanzchef Josef Halbmayr aus seiner Doppelfunktion befreien.

Daraus wurde jedoch nichts, denn die der SPÖ zuordenbaren Kapitalvertreter unterlagen in der Abstimmung - weil auch rote Betriebsräte dagegen stimmten. Nicht, weil sie ÖBB-Strategen Fuchs für eine schlechte Wahl hielten, wie nach der Sitzung betont wurde, sondern er nicht auf der Shortlist war, aber trotzdem dem Zweitgereihten, ÖBB-Rechnungswesen-Leiter Günther Hek, vorgezogen werden sollte.

Zur Erinnerung: Der von der ÖVP favorisierte erstgereihte Deutsche-Bahn-Manager Andreas Moschinski-Wald, hatte seine Bewerbung im März zurückgezogen. Hek wiederum entspricht nicht dem Koalitionsproporz. Wie es angesichts der Blockade weiter geht, ist völlig offen.

Verschoben wurde am Mittwoch außerdem die Bestellung von Postbus-Geschäftsführer Christian Eder zum Vorstand der Postbus-AG, dem "Personalamt" der Postbus-Beamten, an dem auch diverse Postbus-Immobilien hängen.

Bis rechtlich geklärt ist, ob ein Geschäftsführer gleichzeitig Vorstand in seiner eigenen Muttergesellschaft werden kann, bleibt dieser Verwaltungsjob an Halbmayr hängen. Der wird mangels Postenbesetzungen langsam aber sicher zum Multifunktionär: Zu Holding-und Personenverkehr-Finanzchef, Postbus-Personalamt, IT-Provider- und Shared-Services-Geschäftsführung kommt interimistisch (bis Jahresende) die ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft (DLG; deren Noch-Chef Franz Nigl musste nach dem Diagnosedatenskandal Personalagenden und Prokura abgeben). Aber: Auch DLG-Interimschef Emmerich Bachmayer hat inzwischen die Flucht ergriffen, er will an die tausend Frühpensionierungen nicht unterschreiben, nachdem Verkehrsministerin Doris Bures am Dienstag die Anhebung des Eisenbahner-Pensionsantrittsalters (derzeit 53 Jahre) verordnet hat.

Auf Schiene ist seit Mittwoch die für Loks und Zugbildung zuständige neue ÖBB-Produktion-GmbH. Sie wird RCA zu 51 Prozent, was dem PV Millionen-Wertberichtigungen (wegen Unterauslastung im Güterverkehr) erspart. Von den Verlusten soll RCA sogar 70 Prozent tragen müssen. (
Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2009)

  • Selbst Hebekräne halfen nichts, es waren zu viele Bremsklötze auf den
ÖBB-Schienen. Die großkoalitionäre Eintracht ist derzeit eine Baustelle
- wie die gesamte ÖBB.
    foto: öbb

    Selbst Hebekräne halfen nichts, es waren zu viele Bremsklötze auf den ÖBB-Schienen. Die großkoalitionäre Eintracht ist derzeit eine Baustelle - wie die gesamte ÖBB.

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