Großparteien kapern Ungarns Radioäther

25. November 2009, 17:09
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Die Entscheidung führten die Ungarische Sozialistische Partei und der rechts-populistische Bund Junger Demokraten herbei

Mit einem abgekarteten Spiel krempelt die Landesmedienanstalt ORRT Ungarns Radiolandschaft um: An die Stelle der beliebten Stationen Danubius und Sláger (Schlager) traten vor knapp einer Woche NeoFM und Class FM. Bei den Lizenzen der Neuausschreibung kamen die Newcomer für die nächsten sieben Jahre zum Zug. 

Die Entscheidung führten die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) und der rechts-populistische Bund Junger Demokraten (FIDESZ) herbei. Bei der Ausschreibung operierten die beiden partei-nahen Radios mit Offerten für Lizenzgebühren in einer Höhe, die wirtschaftlich völlig irreal sind. Die Manipulation der Ausschreibung war dermaßen durchsichtig, dass der ORTT-Vorsitzende László Majtényi umgehend von seinem Amt zurücktrat.

Am Montag schaltete der Datenschutzexperte die Staatsanwaltschaft ein, mit dem Ziel, die Entscheidung der ORTTzu annullieren. Dass dergleichen geschieht, ist wenig wahrscheinlich. Zuletzt protestierten die Botschafter von neun westlichen Ländern in einem Brief an Ministerpräsident Gordon Bajnai. Der Botschafter Österreichs war nicht unter den Unterzeichnern. (Gregor Mayer aus Budapest, DER STANDARD; Printausgabe, 25.11.2009)

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