Kein Glück für Pechstein

25. November 2009, 17:43
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Internationaler Sportgerichtshof bestätigte Sperre der fünffachen Olympiasiegerin wegen auffälliger Blutwerte - Indirekter Nachweis von Doping erfährt Bestätigung

Lausanne - Claudia Pechstein steht vor dem Ende ihrer Karriere: Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne bestätigte am Mittwoch in seinem 66-seitigen Urteil die zweijährige Sperre der fünffachen deutschen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin. "Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen", erklärte Pechstein.

"Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Erst die ISU, jetzt der CAS. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fairplay gibt", meinte die 37-Jährige. Der Eislauf-Weltverband ISU hatte die Berlinerin am 3. Juli wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt, dagegen hatte sie vor dem obersten Sportgericht in Lausanne berufen. Pechstein, die nie positiv getestet wurde und jegliches Doping bestreitet, hatte bereits zuvor angekündigt, nun vor das Schweizer Bundesgericht ziehen zu wollen.

"Wir akzeptieren das CAS-Urteil, aber es ist eine große Enttäuschung. Jeder Dopingfall ist eine große Enttäuschung", erklärte DOSB-Präsident Thomas Bach. Das Urteil werde aber den Kampf gegen Doping nach vorne bringen, so der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes und IOC-Vizepräsident, weil "die Bedingungen für eine indirekte Beweisführung konkretisiert wurden".

In jedem Fall wird die CAS-Entscheidung in dem Präzedenzfall die Tür für weitere Sperren mit indirektem Beweis öffnen. Zahlreiche internationale Sportverbänden haben Listen von Athleten, deren Blutbilder anormal gewesen waren. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat das Urteil als eine Unterstützung im zukünftigen Kampf gegen Doping begrüßt. Der Kampf gegen Doping stütze sich auf verschiedene Strategien, den indirekten Test von Athleten eingeschlossen, sagte WADA-Präsident John Fahey.

Pechstein sieht sich hingegen als Opfer des Vorgehens der WADA, die am 1. Jänner 2009 mit ihrem neuen Code den indirekten Beweis ohne positiven Befund möglich gemacht hatte. "Wie man mich ohne Beweis, aufgrund eines einzigen Indizes, das zudem in der Wissenschaft noch sehr umstritten ist, sperren kann, wird mir für immer unbegreiflich bleiben", sagte Pechstein, der nun die Kündigung ihrer Stelle bei der Bundespolizei droht.

Gerd Heinze, Präsident des deutschen Eischnelllaufverbandes kritisierte die WADA: "Sie sollte das nicht als Sieg des Blutprofils feiern. Die WADA hat es nicht geschafft, für ihren neuen Code rechtzeitig auch die Rahmenbedingungen klar zu machen. Wir und Claudia müssen das jetzt ausbaden." (APA/red)

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