Risikoscheue Frauen "ein Klischee"

25. November 2009, 11:58
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Hätten sie soviel Geld wie Männer, würden sie es auch ähnlich anlegen - Frauen haben laut Untersuchung allerdings nur die Hälfte zur Verfügung

Berlin/Meerbusch - Frauen sind bei der Veranlagung ihres Vermögen genauso risikofreudig wie Männer. Dass sie generell eher auf sicherere Sparbücher und Lebensversicherungen setzen, liegt jedoch daran, dass sie weniger Geld zur Verfügung haben. Zu diesem Fazit kommt eine am Mittwoch präsentierte Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach weisen Frauen wie auch Männer bei gleichen finanziellen Grundvoraussetzungen die gleiche Neigung zu riskanten Anlageprodukten auf.

Vorurteile nur auf den ersten Blick bestätigt

Obwohl die Untersuchungsergebnisse auf den ersten Blick das Klischee risikoscheuer Frauen in Sachen Veranlagung zu bestätigen scheinen und nur 38 Prozent im Gegensatz zu Männern mit 45 Prozent auch riskante Anlagen wie Aktien oder Unternehmensanleihen in das Portfolio nahmen, lohnt sich eine genauere Analyse. Den DIW-AutorInnen nach sind diese Daten erst dann "wirklich aussagekräftig", wenn noch andere Faktoren mit berücksichtigt werden. Von großer Bedeutung sei hierbei auch das Einkommen und das damit letztendlich verfügbare Vermögen.

"Aus meiner langjährigen Berufserfahrung kann ich sagen, dass Männer die spekulativeren Finanzanlage-Entscheidungen treffen. Im Vergleich dazu sind Frauen - und dies ist kein Vorurteil, sondern Realität - eher zurückhaltend, veranlagen sicher und langfristig", sagt Jörg Urlaub, Vorstand des Vermögensverwalters Incam. Dem Branchenkenner nach spiele zwar das Einkommen und Vermögen eine Rolle. Trotzdem sei das Interesse für Finanzbelange bei Frauen sehr oft geringer als bei Männern.

Einkommens- und Vermögensschere hindert Frauen

Die Analyse des Anlageverhaltens von rund 8.000 privaten deutschen Haushalten hat gezeigt, dass bei Vermögen und Nettoeinkommen große Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen. Denn im Schnitt verdienen Frauen 10.000 Euro weniger als Männer. Mit Blick auf den Unterschied des Vermögens zeigt sich mit 20.000 Euro zugunsten der Männer noch eine größere Schere. Dieser Umstand ist aber entscheidend dafür, wie angesichts hoher Gebühren zur Depotführung sowie eines hohen Nominalwerts für viele Wertpapiere veranlagt wird.

Finanzprodukte für Frauen kommen häufig nicht an

Da sich Urlaub zufolge Frauen oftmals weniger für Veranlagungen interessieren als Männer, würden spezielle Finanzprodukte für Frauen keinen großen Absatz finden. In dieser Hinsicht stimmt der Anlageberater mit den DIW-ForscherInnen überein. "Natürlich wollen Finanzinstitute ihre Kunden auf originelle und individuelle Weise ansprechen. Angesichts unserer Ergebnisse wäre es aber viel besser, unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Vermögenslagen anzubieten", so DIW-Mit-Autorin Nataliya Barasinska. Das Geschlecht habe aber keinen Einfluss auf das Anlageverhalten. (pte)

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DIW

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