"Download der Kosten" von oben nach unten

27. November 2009, 08:36
15 Postings

Was bedeutet "strukturelle Gewalt" gegen Frauen in der gegenwärtigen Krise? Die Soziologin Christa Wichterich im Gespräch mit WIDE-Koordinatorin Claudia Thallmayer

Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten - und steht in Zusammenhang mit der strukturellen Diskriminierung von Frauen. Laut einer UN-Studie erlebt mindestens jede dritte Frau im Lauf ihres Lebens Gewalt durch ihren Partner. Weltweit "fehlen" mehrere Millionen Frauen, weil sie frühzeitig sterben oder erst gar nicht auf die Welt kommen: aufgrund selektiver Abtreibung weiblicher Föten (v.a. in Indien und China), durch Gewalt, Vernachlässigung und Krankheit. Trotz vieler Fortschritte in der rechtlichen Gleichstellung von Frauen werden Frauenrechte bis heute - 30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Frauenrechtskonvention CEDAW - vielfach nicht eingelöst. 

Die strukturelle Benachteiligung von Frauen spiegelt sich auch im Zugang zu Ressourcen wider: 60 Prozent der extrem armen Menschen sind weiblich, das sind 829 Millionen Mädchen und Frauen (ILO 2009). Den vielfachen Krisen - Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise, ökologische Folgen des Klimawandels, Finanz- und Wirtschaftskrise - ist die Bevölkerung in Ländern des globalen Südens sehr ungeschützt ausgesetzt. Die Zahl der unterernährten Menschen hat sich seit 2007 dramatisch erhöht und liegt heute bei über einer Milliarde Menschen (FAO 2009).

Das entwicklungspolitische Frauennetzwerk WIDE hat bei der deutschen Soziologin und Globalisierungsexpertin Christa Wichterich nachgefragt, ob sich diese Formen von Gewalt heute noch unter dem Begriff "strukturelle Gewalt" zusammenfassen lassen. Wichterich geht außerdem auf die Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise ein, die sie als "Download von Kosten und Risiken" von den oberen Gesellschaftsschichten auf die unteren versteht. 

Die Fragen stellte Claudia Thallmayer.

Kamera: Stefan Hofele
Schnitt: Katja Schröckenstein

Info:

Das Videoprojekt "Klappe auf!" ist eine Aktion im Rahmen der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" 2009. Es wird getragen von den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern, CARE Österreich, Frauensolidarität, LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, Miteinander Lernen - Birlikte Ögrenelim sowie WIDE - Netzwerk Women in Development Europe.

Der Vor- und Abspann wurde von Doris Mayer gestaltet.
Schnitt: Katja Schröckenstein
Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung der MA 57- Frauenabteilung der Stadt Wien realisiert.

Link

WIDE - Netzwerk Women in Development Europe

Share if you care.