Gelassenheit angesichts der Schweinegrippe

25. November 2009, 09:42
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Eltern spenden Seife und demonstrieren ihre Sorge

Wien - "Hast du schon gehört, der aus der Fünften ist schon seit einer Woche krank." - "Ja, angeblich hat er die Schweinegrippe." Gespräche wie diese hört man in letzter Zeit vermehrt an unseren Schulen.

An der AHS Heustadelgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk spendete der Elternverein aus Gründen der Prävention in der vergangenen Woche Flüssigseifen und Küchenrollen für jede der 38 Klassen.

"Medizinisch kann ich nicht beurteilen, ob das etwas nützt. Aber wenn es wirklich nötig wäre, hätte es sicher schon eine ärztliche Empfehlung gegeben", meint Anselm Eder, Professor am Institut für Soziologie der Uni Wien, dazu.

Es gehe hier eher um einen Konkurrenzkampf, wer sich am meisten um die Schüler sorge. Diese Demonstration der Sorge könne laut Julia Slezacek (15) so weit gehen, dass einige Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Schule lassen wollen.

Die Rolle der Eltern wird auch in Bezug auf einen kritischen Umgang mit der Tendenz zu medialer Übertreibung wichtig. "Es scheint so zu sein, dass die Medien da etwas hochgespielt haben, um sich interessant zu machen", sagt Eder.

Nach den ersten Krankheitsfällen in Österreich folgte eine starke Thematisierung in der öffentlichen Debatte. Neue medizinische Erkenntnisse fänden nun weniger Präsenz, da das Interesse mittlerweile überstrapaziert sei. "Jetzt, wo es anscheinend schon Mutationen des Virus gibt und eventuell da und dort eine echte Gefahr besteht, ist die Öffentlichkeit schon etwas müde, davon zu hören."

Die öffentlichen Impfstellen für Risikogruppen öffneten am 9. November. Explizit empfohlen wird die Schutzimpfung nur chronisch Kranken und Schwangeren.

Impfung mit Fragezeichen

Trotz des erhöhten Infektionsrisikos bei Schülern, "die insofern schon gefährdeter sind als andere, da sie in der Schule auf en- gem Raum zusammenkommen", spricht weder das Bildungsministerium noch der Wiener Stadtschulrat auf ihren Homepages das Thema Schweinegrippe an.

Der Grund für eine Ablehnung der Impfung liegt meist in einem Gefühl von Informationsmangel. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Impfung wirklich weit genug entwickelt ist. Meine Mutter ist dagegen, dass ich mich impfen lassen soll", erzählt Slezacek.

Sollte trotz aller Vorsorgemaßnahmen die Hälfte der Schüler einer Klasse oder Schule an der Neuen Influenza erkranken, ist die Regelung, besagte Klasse bzw. Schule zu schließen, nun hinfällig. Schulschließungen beschränken sich aktuell nur auf Einrichtungen, in denen Kinder mit chronischen Krankheiten betreut werden.(Bath-Sahaw Baranow, Magdalena Legerer, DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2009)

 

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